Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des hundertjährigen Bestehens der Anstalt
Entstehung
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nale noch zurücktreten; jetzt, im ersten Hauch des Völker- frühlings, konnte selbst der jedem engen Patriotismus abge- neigte Dichter, der eben das Programm einer Weltliteratur aufzustellen sich anschickte, dem Auspruch des Volksgeistes, wenigstens in seiner höchsten und idealsten Blüte, der nationalen Kunst, sich nicht entziehen. Schon vom Jahre 1811 an fordert Boisserée den Dichter dringend zu einer Rheinreise auf, aber erst 1814 kam es endlich dazu. Der bisher gewohnte Kuraufenthalt in Karlsbad wird nun mit mehrwöchigem Aufenthalt in Wiesbaden vertauscht, von wo ein längerer Ausflug nach Bingen zum Rochusfest und nach Winkel zum Besuch der Familie Brentano unternommen wird. Schon auft dem Wege nach Wiesbaden hatte der Reisende seine Vaterstadt, sehr zu ibrem Vorteil verändert, wiedergesehen. Zuletzt geht es nach Heidelberg, wo die den beiden Boisserées und ihrem Freund Bertram gehörige Sammlung deutscher Gemälde studirt wird. Dann reist der Dichter über Darmstadt, Frankfurt und Hanau nach Weimar zuriick.

Auch im nächsten Jahr kebrt der sich nach den Ein- drücken des Vorjahres Zurücksehnende nach Wiesbaden zurück, und jetzt kommt es zu einer grösseren Rheinreise, indem er mit dem Freiherrn von Stein, dessen Mutter er schon 1774 von Ems aus besucht hatte, auf einer in Ehren- breitstein angetretenen Kahnfahrt nach Köln reist, wo er am 26. und 27. Juli sich aufhielt. Der Dom, wohin damals das grosse Altarbild aus der Ratskapelle versetzt worden war, wird besucht, die Sammlungen des Kanonikus Wallraf, des Kaufmanns Lyversberg und die des Rektor Fochem werden besichtigt, eine Reihe von Ateliers(des Wachs- bildners Hardy, seines Schülers Hagbold und das des Malers Lützenkirchen) in Augenschein genommen. DerStatthalter des poetischen Geistes auf Erden macht eine Inspektions-