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Im Jahr 1792 hält unser Dichter sich auf der Reise nach dem Kriegsschauplatz in der Campagne in Mainz auf und besucht, aus Frankreich zurückkommend, wiederum Jacobi in Düsseldorf, wo er diesmal fünf Wochen bleibt und wo die verunglückte Kriegsunternehmung(die Preussen waren ja dem Heer der Republik unterlegen und mit ihnen Goethe's Herzog) wohl vielfach den Gesprächsstoff abgegeben haben wird. Im folgenden Jahr nimmt Goethe an der Be- lagerung von Mainz teil, wohin er am 12. Mai abgeht, um vom 26. dieses Monats bis zum 28. Juli, zwei volle Monate, vor Mainz zu liegen, hierauf für kurze Zeit nach Mannheim und Heidelberg zu gehen und über Frankfurt nach Weimar zurückzukehren, wo er vor dem 28. August wieder eintraf.
Schwere Kriegszeiten folgten, lähmten Handel und Wandel und machten den Verkehr landauf, landab unsicher und das Reisen gefährlich oder zum mindesten beschwerlich. Sie trugen viel dazu bei, den Dichter lange der Heimat und dem Rhein fernzuhalten, wozu noch der Verdruss mit dem Rat seiner Vaterstadt hinzukam. Aber als die Heere sieg- reich aus dem Feld, wo die deutsche Freiheit erstritten worden, wiederkehrten, da erwachte von neuem der Zug nach dem Westen in dem nun fast Fünfundsechzigjährigen, und im Juli 1814 wurde für eine Abwesenheit von mehreren Monaten gepackt. Er war sich bewusst geworden,„wie viel er bisher, durch das unselige Kriegs- und Knecht- schaftswesen auf einen kleinen Teil des Vaterlandes be- schränkt, leider vermisst und für eine fortschreitende Bildung verloreu hatte.“ War früher der Jüngling mit leichtem Ge- päck ausgezogen, jetzt kam der hochbepackte, umfangreiche Reisewagen des Herrn Ministers aus der Remise, wo der Besucher des Weimarer Goethehauses ihn heute noch stehen sehen kann als ehrwürdige Reliquie. Der weltweite Sinn, der Goethe den Wert des Reisens für die Bildung so hoch
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