gern in der Phantasie nachschafft. Dann trennte man sich, Lavater blieb in Neuwied, um in der dortigen Herrnhuter- gemeinde zu predigen, und Goethe ging nach Düsseldorf voraus, um Friedrich Heinrich Jacobi kennen zu lernen, den er aus den Erzählungen von dessen Frau Betty,„der herr- lichen Niederländerin“, seiner Halbschwester Lotte und seiner Verwandten Fahlmer schon kannte. Alle drei hatten im Jahr vorher in Frankfurt geweilt, wo sie Goethe durch seine Schwester kennen lernte. Er trifft die Jacobi's in der Stadtwohnung am Flingerthor nicht an, auf der Stelle geht's hinaus nach Pempelfort, wo er in der bekannten Unmittel- barkeit,„nicht eingeführt, marschalliert, excusiert“, die Be- kanntschaft des(damals 29 jährigen) Philosophen macht. In jenem Gartenhaus, das jetzt zum Besitz des Malkastens ge- hört, fand der Austausch der zwei brausenden und gäbren- den Geister statt. Auf noch originellere Weise wurde in Elberfeld, wohin von Düsseldorf ein Ausflug gemacht wird, das Wiedersehen mit dem Goethe von Strassburg her be- kannten Jung(Stilling) gefeiert. Dieser wurde des Morgens in einen Gasthof zu einem fremden Patienten gerufen. Der Kranke lag im Bette, Kopf und Hals in Tücher gehüllt, und bat, dem Fingetretenen die Hand entgegenstreckend, mit matter Stimme, ihm den Puls zu fühlen; als Jung ihn für normal erklärte, da sprang Goethe aus der Vermummung hervor und umarmte ihn. Es ist dieselbe Lust an Ver- kleidungen, die in Sesenheim und dann in Giessen dem Professor Höpfner gegenüber solch komische Auftritte herbeigeführthatte. Jacobi scheint Goethe nach Elberfeld nachgefolgt zu sein, so würde sich der abweichende Bericht Stillings erklären, der unsern Reisenden den Düsseldorfer Freund überhaupt erst in Elberfeld treffen lässt. Lavater, der mittlerweile nach Düsseldorf nachgekommen war, kam mit Jacobi, und nun fand bei einem der Frommen die Tafelrunde statt, von der
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