Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des hundertjährigen Bestehens der Anstalt
Entstehung
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beute an juristischen Erfahrungen, die der Aufenthalt am Sitz des Reichskammergerichts ihm gewährt, zu berichten. In Ehrenbreitstein bei der Familie von la Roche waren ihm angenehme und anregende Tage beschieden; dem aus der traulichen Enge der Kleinstadt Herkommenden that sich der grosse freie Strom auf, den er dann mit der Familie Merck noch aufwärts bis Mainz befuhr, um grade diesen schönsten Teil mit jugendfrischen Sinnen jetzt schon in sich aufzu- nehmen. Die prachtvollen Strophen, in welchen am Schluss von Mahomet's Gesang die segenverbreitende Majestät eines grossen Stromes ausgesprochen ist, gehen wohl auf Ein- drücke dieser Reise zurück. Ende Juni 1774 kam Lavater nach Frankfurt, und da Goethe sich in seinen Umgang dort mit einer Menge andrängender Verehrer teilen musste, so entschloss er sich gerne ihn nach Ems zu begleiten, von wo er zunächst wieder nach Frankfurt zu seiner Advokatur zurückkehrte, um aber dann Basedow, der ihn auf einer Propaganda-Reise aufsuchte, nachreisend am 15. Juli wieder dorthin aufzubrechen. Von Ems aus wurde dann eine ge- meinsame Rheinreise angetreten. Die Fahrt von Ems lahn- abwärts bis zum Rhein, wo munter improvisiert wurde in Knittelversen, während das Schiff durch die Schleusen ging, und eine Hoträtin(Kämpt) um das leibliche Wohl der geni- alischen Reisenden bemüht war, das bekannte Diner zu Koblenz(wahrscheinlich im Gasthof zu den 3 Reichskronen von Maass auf dem Entenpfuhl) und dann die Szene in der Frühe des übernächsten Morgens im Schiff unter'm nassen Decktuch, wo Lavater neben Goethe sitzt,der in roman- tischer Gestalt, grauem Hut mit halbverwelktem lieben Blumenbusch sein Butterbrod hinter dem braunseidenen Halstuch und grauen Kapotkragen wie ein Wolf verzehrt und sich nach dem übrigen eingepackten Essen schon weiter umsieht, das sind lauter lebensvolle Bilder, die man