Jahr uns auch den 150sten Geburtstag des Dichters bringt und die Feier dieses Tages durch festliche Veranstaltungen in der rheinischen Kunststadt begangen werden soll, deren Spitze und Mittelpunkt eine Goethe-Ausstellung in Düssel- dorf bilden wird. Die Ausstellung hat den Zweck, die Beziehungen Goethes zu den Rheinlanden in künstlerischer Gruppirung zur übersichtlichen Anschauung zu bringen.
Im weiteren Sinn könnte Goethe ja selbst als Rbein- länder bezeichnet werden, und Viktor Hehn hebt mit Recht hervor, welch tiefgehende Einwirkung sein Geist von frühester Jugend an durch die bewegliche Volksart der Anwohner des Rheingebiets erfahren hat. Auch sein Aufenthalt in Strassburg könnte hier miteinbezogen werden, ich beschränke mich aber auf die Reisen, welche dem Rhein als solchem galten und zum Ziel den für eine Rheinreise immer haupt- sächlich in Betracht kommenden mittleren Teil des Flusses hatten.
Zwei dieser Reisen,— wenn ich einige Ritte nach Worms zum Besuch der schönen Charitas Meixner in den Jahren 1765 aund 1769 abrechne,— fallen in die Zeit vor 1775, jenes Jahr, das den tiefsten Einschnitt in Goethe'’s Lebensgeschichte macht und ihn auf lange Zeit, ja für immer der Heimat fern rückt. Denn wenn er auch schon im Jahre 1777 wieder auf der zweiten Schweizerreise mit dem Herzog durch Frankfurt kommt und im Jahr 1797 auf der dritten aber- mals die Vaterstadt berührt, so war dies doch immer nur ein Aufenthalt von wenigen Tagen, der ihn nicht wieder in nähere Berührung mit der Heimat kommen liess.— Vor 1775 also ist Goethe zweimal am Rhein gewesen. Die eine dieser Reisen lässt den im Sturm des erregtesten Gefühls von Wetzlar Geschiedenen inmitten eines Kreises sympathischer Menschen das seelische Gleichgewicht wieder finden, ehe er dem gestrengen Vater gegenübertritt, um ihm über die Aus


