Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Volkes und dadurch eine Verhinderung der Tat zu fürchten gewesen. Daher überlistete er die Prinzessin mit folgendem Trug. Er gibt vor, von Soliman zu ihrem und des Sohnes Besuch beauftragt zu sein. Soliman sei bei der Ermordung Mustaphas nicht zum besten beraten gewesen; freilich habe er dies erst spät eingesehen; doch um so teuerer sei ihm jetzt der Enkel, je ungerechter er gegen dessen Vater gewesen sei. Er fügte noch viele andere Schmeichelworte hinzu, um die leichtgläubige Mutter einzuschläfern,.die noch dazu über Rustans Fall befriedigt war. Zudem wird sie noch mit artigen Geschenken überhäuft. Nach einigen Tagen bringt er die Rede auf einen Ausflug aus der Stadt, eine Ortsveränderung, um etwas frische Luft zu schöpfen. Als sie endlich einwilligt, dass man tags darauf ein Land- haus vor der Stadt besuche, sie im Wagen nachfahre und ihr Sohn dem Wagen voranreite, schien die Sache jeden Ver- dacht einer bösen Tat auszuschliessen. Der Wagen wird an- gespannt, aber die Achse so hergerichtet, dass sie, wenn sie auf rauhem Boden aufstiess, notwendig brechen musste. So trat die arme Mutter die verhängnisvolle Fahrt an und be- fand sich bald ausserhalb der Stadt. Ibrahim der Verschnittene war mit dem Knaben, wie ins Gespräch vertieft, weit voran- geritten, die Mutter folgte mit grösstmöglicher Eile, aber als man an jene steinige und schroffe, Stelle kam, stiessen die Räder heftig auf und die Achse zerbrach. Durch diesen Unfall konnte aber die erschreckte und ahnungsvolle Mutter nicht aufgehalten werden, sondern sie verliess den Wagen und eilte ihrem Kinde zu Fusse nach, nur von einigen Dienerinnen begleitet. Aber schon war der Eunuch an den Ort seiner Bestimmung gelangt. Ohne Zögern eröffnet er dem Prinzen, als sie die Schwelle des Hauses überschritten, das Todesurteil: es sei der Wille des Kaisers, dass er sterbe. Darauf soll der Prinz mit echt türkischem Gehorsam geant- wortet haben, er empfange den Befehl des Kaisers wie den eines Gottes, dem man gehorchen müsse, und damit bot er seinen Nacken dar. So wird der unschuldige, hoffnungsvolle Knabe erdrosselt. Nach der verruchten Tat entweicht der Eunuch durch die Hintertüre und ergreift die Flucht ins Weite. Bald ist die Mutter da, die das Vorgefallene schon halb