Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
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vorausahnte. Sie pocht an die Türen; da man es für gut findet, öffnet man ihr. Sie findet ihren Sohn fast noch lebens- warm, noch zuckend, und leise atmend. Doch über das, was nun kommt, ist es fast besser, den Schleier des Schweigens zu breiten. Denn die Gemütsverfassung der Mutter über der Leiche des Kindes kann leichter gedacht als geschildert werden. Als man sie endlich zwang, nach Brussa zurück- zukehren, kam sie dorthin mit aufgelösten Haaren, zerrissenen Kleidern, die Stadt mit lautem Gejammer und grossem(re- schrei erfüllend. Ganz Brussa lief zusammen, Mütter, Mädchen und Mägde, und als sie die ruchlose Tat vernehmen, geraten sie in Wut und stürzen nach Art von Mänaden wie von Sinnen aus der Stadt. Sie suchen den FEunuchen, um seiner habhaft zu werden und an ihm ein schreckliches Beispiel der Rache zu vollziehen. Doch der hatte wohl gewusst, was ihm bevorstehe und mit Recht gefürchtet, wie einst Orpheus von den Bacchantinnen in Stücke gerissen zu werden. Des- halb war er zur rechten Zeit entflohen. Doch ich kehre zum Anfange zurück. Ein Bote wird mit einem Schreiben über meine Ankunft an Soliman nach Asien abgesandt.

Für den Aufenthalt Busbecks in Constantinopel und die Reise nach Asien verweise ich einstweilen auf mein Grymnasial- programm»Eine Reise nach Amasia im Jahre 1555.« Ludwigs- hafen am Rhein 1899. p. 33 ff.