Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
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in das Zelt des Vaters geführt und fand dortselbst zunächst alles ruhig und friedlich; weder Soldaten noch Büttel, noch Henker, nichts von Nachstellungen ‚was zu fürchten war, schien vorhanden. Aber dafür waren einige von den sogenannten »Stummen« da, die sich die Türken mit Vorliebe halten, kräftige, baumstarke und vierschrötige Gestalten, die zum Morde Mustaphas auserlesen waren. Diese fielen, als er das Innerste des Zeltes betrat, wie wütend über ihn. her, warfen ihm eine Schlinge um den Hals und begannen ihn mit aller Gewalt zu würgen. Doch Mustapha wehrte sich, stark wie er war, wie ein Verzweifelter; denn er kämpfte nicht nur um sein Leben, sondern auch um sein Reich. Es war ihm nicht zweifelhaft, dass, wenn er sich retten und den Janit- scharen in die Arme werfen konnte, diese aus Empörung und Mitleid ihren geliebten Prinzen nicht bloss retten, sondern auch zum Kaiser ausrufen würden. Eben das aber fürchtete Soliman, der nur durch einen dünnen Vorhang von dem Schauplatz, auf dem die Tragödie stattfand, getrennt war. Als er wider Erwarten die Verzögerung des Mordes gewahrte, steckte er den Kopf aus dem Zeltvorhange, warf den Stummen drohende und wilde Blicke zu und fuhr sie wegen ihrer Säumigkeit und Feigheit grimmig an. Dadurch gewannen die Stummen vor Schrecken ihren Mut wieder, warfen den armen Mustapha auf den Boden und brachen ihm mit einem Stricke das Genick. Dann streckten sie ihn auf einem Teppich aus, legten seinen Leichnam vor das Zelt, damit die Janit- scharen sähen, was sie an dem Kaiser hätten, den sie so heftig begehrten. Als der Mord im Lager bekannt wurde, dnrchdrang allgemeine laute Klage das ganze Heer, und keiner war, der nicht zu dem traurigen Schauspiel herankam. Besonders waren die Janitscharen ausser sich vor Bestürzung und Wut, so dass sie jedes Verbrechens fähig gewesen wären, wenn sie einen Führer gehabt hätten. Denn gerade der, den sie sich als ihren Obersten erhofft hatten, lag jetzt leblos auf der Erde. Es blieb ihnen nichts übrig als das Unvermeidliche mit Mässigung zu tragen. Daher begaben sie sich tief betrübt, schweigend und voll Tränen in ihre Zelte zurück, wo sie recht nach Herzenslust das Unglück des Jünglings beweinten. Bald klagten sie Soliman als einen wahnwitzigen verrückten