Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
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Schwierigkeit, als massgebender Berater den Sinn und Willen seines Herrn nach jeder beliebigen Richtung zu lenken. Daher setzte sich bei den Türken die Ansicht fest, der Sultan sei durch Rustans Ränke und Roxolanens Zaubertränke, da sie ja im Rufe einer Hexe stand, seinem Sohne Mustapha in solchem Grade entfremdet worden, dass er den Entschluss fasste, ihn aus dem Wege zu räumen. Nach der Meinung einiger weniger hätte Mustapha die Anschläge Rustans und seiner Stiefmutter wohl durchschaut, ihnen zuvorkommen wollen, und deshalb dem Vater nach Thron und Leben ge- trachtet. Es gibt nichts Beklagenswerteres als die Prinzen türkischer Kaiser, da ihnen, wenn wirklich einer von ihnen dem Vater auf dem Throne folgt, durch den Bruder der un- vermeidliche Tod wartet. Denn weder ertragen die Türken überhaupt Nebenbuhler auf dem Throne, noch können sie dieselben dulden wegen des Übermuts der Janitscharen. Wenn nämlich noch ein Sultansbruder am Leben ist, finden diese kein Ende mit ihren Forderungen von Geldspenden und Ge- schenken.Werden sie damit zurückgewiesen, so hört man gleich,»hoch lebe des Sultans Bruder, mög ihn lange Gott erhaltene! Durch diesen Ruf weisen sie deutlich genug auf seinen Nachfolger auf dem Throne hin. Es ist klar, dass sich dadurch für die türkischen Sultane die traurige Notwendigkeit ergibt, sich mit dem Blute ihrer Brüder die Hände zu beflecken und den Thron durch Verwandtenmord einzuweihen. Sei es also, dass Mustapha dieses Schicksal für sich fürchtete oder dass Roxolane den Streich von ihren Kindern abwenden wollte, soviel ist sicher, dass sie Soliman Gelegenheit zum Sohnes- mord gegeben hat. Da der Sultan mit dem Schah von Persien Sagthama(Tahmasp) im Kriege lag und Rustan den Ober- befehl führte, blieb dieser plötzlich an der persischen Grenze mit seinem Heere stehen*) und benachrichtigte in einem auf- regenden Briefe seinen Herrn, dass alles auf dem Spiele stehe und Hinterlist auf allen Wegen laure. Die Janitscharen seien von Mustapha bestochen, nur der Sultan sei der Gefahr gewachsen, er(Rustan) selbst sei machtlos, nur seine(des Sultans) persönliche Gegenwart und Macht sei ausreichend;

*) Wahrscheinlich in Amasia, wenn nichtin Eregliin Karamanien.