Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
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gemeine Volksstimme als der voraussichtliche Nachfolger nach dem Tode seines alternden Vaters(Soliman) galt, begann die Stiefmutter(Roxolane), um ihren Kindern den Thron zu sichern, ihre Ränke zu spinnen, und zwar suchte sie die Tüchtigkeit und den Vorzug Mustaphas durch ihren ehelichen Einfluss zu beseitigen. Dabei bediente$ie sich Rustans als Helfershelfers und Beraters. Denn mit diesem war ihr Schicksal verbunden, da er eine Tochter von ihr und Soliman zur Frau hatte, sodass nichts dem einen Teile zustossen konnte, was nicht auch den anderen traf. Zugleich besass Rustan unter den Paschas bei Soliman den ersten Platz in Gunst und An- sehen, ein Mann von scharfem Geist, das mächtige Werkzeug von Solimans Ruhm. Seiner Herkunft nach war er freilich nur ein Schweinehirte, aber durchaus nicht unwürdig seines hohen Ranges, wenn er nicht durch den Vorwurf der Habsucht befleckt gewesen wäre. Nur in diesem einen Punkte bearg- wöhnte ihn der misstrauische Sultan, obwohl gerade dieses Laster wieder zum Vorteile seines Herrn umschlug. Denn der Grossherr übertrug ihm die Verwaltung der Finanzen und des kaiserlichen Haushalts, wo bei Soliman immer Ebbe herrschte. In diesem Amte versäumte Rustan nicht die geringste Gelegenheit Geld zu machen, wenn er z. B. sogar aus dem Ertrage der Gemüse, Rosen und Veilchen in den kaiserlichen Gärten Geld zusammenscharrte, oder einen Helm oder Panzer, oder ein Pferd eines Gefangenen verkaufen konnte; die gleiche Sorgfalt wandte er allen anderen Geschäften zu, Dadurch erzielte er bedeutende Überschüsse, häufte Geld auf Geld, füllte den Schatz des Sultans und stellte das finanzielle Gleich- gewicht wieder völlig her. Daher erinnere ich mich zu meiner Verwunderung aus dem Munde eines hochgestellten Türken, der mit Rustan heftig verfeindet war, gehört zu haben, er würde Rustan, auch wenn er könnte, in keiner Weise schaden wollen, weil Dank dessen eifriger Fürsorge die Vermögens- verhältnisse seines Herrn wieder auf eine gesunde Grundlage gestellt worden seien. Im Serail des Sultans befindet sich noch ein besonderer Saal, wo Gelder aufbewahrt sind mit der Inschrift:»Schätze durch die Sorgfalt Rustans erworben«. Als daher Rustan Grossvezier wurde und damit die höchste und einflussreichste Stelle bekleidete, war es für ihn keine