Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
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Ruhmes. Aber Soliman besass noch mehrere andere Kinder von Roxolane, in die er so verliebt war, dass er sie wie seine rechte Frau behandelte und ihr eine Mitgift aussetzte, was bei den Türken so viel wie eine gesetzliche Ehe bedeutet. Und zwar tat er dies gegen die Sitte seiner Vorgänger auf dem Kaiserthron, von denen keiner seit Bajasid dem Älteren mehr eine rechtmässige Frau gehabt hatte. Denn als dieser in der Schlacht(von Angora 1402) besiegt und zugleich mit seiner Gattin in Tamerlans(Timurlenks) Gewalt gefallen war, erlitt er neben vielen empörenden Misshandlungen als die unwürdigste die, dass vor seinen Augen seine Gattin auf das schmählichste und schimpflichste behandelt wurde. Im Andenken daran enthielten sich die Nachfolger Bajasids auf dem Throne bis auf Soliman wirklicher Ehen mit legitimen Frauen, damit keine mehr von ihnen, sei es wie immer, ein ähnliches Schicksal erleide.*) So empfingen sie nur mehr

®) Busbeck scheint hier in einem Irrtum. befangen oder einer Legende gefolgt zu sein. Der Türke verehelicht sich schon mit 17 bis 18 Fahren, oder er kauft sich eine Sklavin, die nach dem ersten Kind gewöhnlich in die Rechte einer legitimen Gemahlin tritt, in jedem Falle aber, sobald sie einen Sohm geboren hat, frei- gelassen werden muss. Für die Zeit Busbecks müssen wir noch mehr als heutzutage mit den Rechten und Folgen des Frauenraubs und der Sklaverei rechnen; sind doch die Türken alsHerrenvolk in Kleinasien und Europa erschienen und haben sich ihre Frauen aus den unterworfenen Rajavölkern der Armenier, Griechen, Fuden, vor allem aber dem schönen Stamm der Tscherkessen geholt, wenn nicht die Blutmischung sich mit dem Element der Araber oder gar mit den Negern vollzog. Ich habe deshalb sowohl in meiner Geschichte der europäischen Türkei wie in meiner Ethnographie Kleinasiens(Berlin, Dietr. Reimer 1899) darauf hingewiesen, dass man von einer Reinheit der osmanischen Rasse nicht sprechen könne. Die weissen, für den Harem_ bestimmten Sklavinnen heissen Odalık, d. i. zum Zimmer gehörig; billiger sind die sog. Halaik, d. i. Geschöpfe, schwarze Sklavinnen, die als Dienstmägde verwendet werden. Die Sklaven werden gut behandelt, gehören zur Familie, und ihre Kinder geniessen häufig ganz dieselbe Erziehung wie die Kinder des Hauses.Seid gütig