offen stehen, als über einen ungeheuren, vom Feuer erhitzten und glühenden eisernen Rost, über den man mit blossen Füssen zu schreiten habe. Was das für ein Schmerz ist, kannst du dir denken. Stelle dir nur einen Hahn vor, den man über glühende Kohlen hüpfen lässt! Nun sieh’ aber, welches Wunder! All’ das Papier, das von ihnen während ihrer Lebenszeit vor dem Tritt der Füsse bewahrt worden ist, wird sich unversehens einstellen, unter ihre Füsse breiten und sichere Hilfe bringen, dass sie keinen Schaden von dem Rost verspüren. So gross wird das Verdienst für das vor Verunehrung geschützte Papier sein. Ich erinnere mich, wie sehr einst unsere Führer auf meine Diener erzürnt waren, weil sie sahen, wie diese das Papier zu den schimpf- lichsten Verrichtungen gebrauchten und die Türken mir dies wie ein Verbrechen meldeten. Damals antwortete ich ihnen, das dürfte sie an meinen Dienern nicht wundern, da diese ja sogar Schweinefleisch ässen. So eifrig sind die Türken in ihrer Religion, und es gilt bei ihnen als eine schwere Ver- sündigung, wenn sich einer bei ihnen, auch unversehens, auf ihr göttliches Gesetzbuch, den Koran setzt; für einen Christen aber wäre es eine todeswürdige Sünde, Aber auch Rosen- blätter lassen sie nicht auf den Boden fallen, weil sie dieselben, wie die Alten aus dem Blute der Venus, so aus dem Schweisse Mohameds entstanden glauben. Doch ich breche ab, sonst erschöpfe ich mich in Kleinigkeiten. Nach Constantinopel kam ich am 20. Januar 1555 und traf dort meine bereits ge- nannten Kollegen Antonius Wranczy und Franz Zay. Der Sultan war zur Zeit mit seinem Heere nach Asien abmarschiert und niemand von Bedeutung in Constantinopel zurückgeblieben, ausser Ibrahim Pascha, der Eunuch und Stadtkommandant, und Rustan, der Grossvezier, der aber seiner Ehren entsetzt war.
Nichtsdestoweniger stattete ich auch letzterem einen amtlichen Besuch ab, eingedenk seiner früheren Würde, zu der er bald zurückzukehren hoffte, begrüsste ihn und ehrte ihn mit Geschenken. Es ist vielleicht nicht unpassend zu erwähnen, aus welchen Gründen Rustan seines Vezierats entsetzt wurde. Soliman hatte von einer Nebenfrau, wenn ich nicht irre, aus der Krim, einen Sohn namens Mustapha. Dieser stand damals in der Blüte der Jugend und des kriegerischen


