a
thrakische Lüfte wehten noch; aber von da an begann eine unglaubliche Milde des Himmelstriches. Nächst Constantinopel setzten wir über zwei anmutige Meeresbuchten auf einer Brücke*),. Wenn diese Orte irgendwelchen Komfort aufwiesen, so weiss ich nicht, ob es etwas Schöneres unter der Sonne gäbe. Aber so scheinen sie förmlich über ihr Los zu trauern, weil sie von ihren barbarischen Herren hochmütig vernach- lässigt werden. Wir assen uns hier an überaus wohl- schmeckenden Fischen satt, die vor unseren Augen gefangen waren.
Wenn ich in den sogenannten Imareten oder Gasthäusern einkehrte, bemerkte ich gelegentlich mehrere Papierschnitzel in den Mauerritzen stecken. Indem ich sie etwas neugierig herausnahm, da ich vermutete, dass sie sich nicht ohne Grund darin befänden, fragte ich meine Türken, was es damit für eine Bewandtnis habe. Aber ich erfuhr nur, dass kein Grund für eine derartige Aufbewahrung vorhanden sei. Um so begieriger wurde ich, den wahren Grund zu erfahren; denn früher hatte ich dies schon öfter an anderen Orten bemerkt. Die Türken gaben mir keine Antwort und wollten mir den Grund nicht eröffnen, sei es, dass sie sich scheuten, mir etwas zu erklären, was ich nicht glauben würde, oder sei es, dass sie einem Ungläubigen ein grosses Geheimnis nicht verraten wollten. Erst später erfuhr ich von solchen, mit denen ich vertrauter geworden war, dass die Türken dem Papiere grosse Ehrfurcht erwiesen, weil GottesName darauf geschrieben werde.**) Daher lassen sie keine Papierstückchen auf dem Boden liegen, und wenn sie ein solches finden, heben sie es sogleich auf und stecken es in eine Ritze oder einen Spalt, dass es nicht mit Füssen getreten werde. Daran wäre eigentlich nichts aus- zusetzen, doch höre weiter! Am Tage des jüngsten Gerichtes, wenn Mohamed seine Anhänger aus den Orten, wo sie für ihre Sünden büssen, in den Himmel ruft, damit sie der ewigen Seligkeit teilhaftig werden, wird kein anderer Weg zu ihm
*) Das war bei den Seen von Bajük- und Kütschück- Tschek- medsche in der Nähe des heute so berühmten San Stefano, wo die Brücken Solimans über die Meer- und Seeengen führten.
**) Wie heutzutage noch bei den Chinesen.


