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Mitten auf dem Wege zwischen Constantinopel und Hadria- nopel liegt ein Städtchen namens Chiurli*), berühmt durch den Kampf Selims“*) gegen seinen Vater Bajasith. Aus diesem Treffen rettete sich Selim nur mit Hilfe seines Pferdes Karabuluk d.h. schwarze Wolke, auf dem er sich zu seinem Schwiegervater, dem Chan der Krimtataren, flüchtete, Bevor wir nach Selimbriat), einem Städtchen, das schon am Meere liegt, gelangten, sahen wir deutliche Spuren eines alten Walles und Grabenstt), die von jenem Meer bis zur Donau von den späteren griechischen Kaisern zu dem Zwecke gezogen waren, damit die Grebiete und Besitzungen der Constantinopler inner- halb dieser Befestigung vor den Einfällen der Barbaren sicher wären. In dieser Zeit, erzählt man, habe ein Greis darauf hingewiesen, dass das, was innerhalb der Mauer sich befinde, ebensowenig vor den Barbaren sicher sei, als das ausserhalb, weil diese grösseren Mut zum Angriff als die Griechen zur Verteidigung hätten. In Selimbria(Silivri) fesselte uns der liebliche Anblick des ruhigen Meeres und wir freuten uns, am Strande im Spiele der Wellen Muscheln zu: sammeln, dem Reigen der Delphine zuzusehen und die Milde des Himmels zu geniessen. Denn es ist kaum zu sagen, welche angenehme Temperatur und welch’ mildes und sanftes Klima dort herrschte. Zwar.bis Chiurli(Tschorlu) war es etwas rauh gewesen, fast
*) Jetzt Tschorlu(114 m ü.d. M.), alte Stadt mit 8000 Ein- wohnern, meist Griechen, Sitz eines Kaimakam und eines griechischen Bischofs, mit Getreidehandel, Wein- und Obstbau, am T. schorludere, der sich hier in die Ergene ergiesst.
®*) Über Bajesid IT,(7481— 1512) und seinen Sohm Selim 1. (1512-—1520), Favuz(den Strengen), Solm des vorigen und Vater Solimans I. des Prächtigen, bei dem Busbeck beglaubigt war, vgl. meine Geschichte der europäischen Türkei in Helmolts Weltgeschichte Band V.
1) Fetst Siliwri.
IT) Gemeint sind die Reste der sog. Anastasischen Mauer, die vom Schwarzen bis zum Marmarameer reicht und um 500 n. Chr. unter Kaiser Anastasius gegen feindliche Einfälle erbaut wurde; die Eisenbahn durchschneidet heutzutage die Mauer mehrmals und läuft nahe derselben hin.


