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Umstand, der auch in dem bekannten Gedichte des Ovid*) erwähnt wird: «Da wo sich schneebedeckt die Rhodope zum schattigen Hämus eröffnet Und der heilige Strom Hebrus nach Wasser begehrt».
Dadurch scheint der Dichter die Seichtheit und den Wassermangel des Flusses angedeutet zu haben. Denn ob- wohl der Fluss sonst gross und berühmt ist, kann er doch meist durchfurtet werden. Ich erinnere mich, dass wir auf unserer Rückreise ganz nahe bei Philippopel den Hebrus durchfurteten, um nach einer Insel hinüberzukommen, wo wir in Zelten übernachteten; doch da in der Nacht das Wasser gewachsen war, konnten wir am nächsten Tag nur unter grosser Beschwerde wieder über den Fluss auf den Weg kommen. Philippopel*) liegt auf einem von drei Hügeln, die von den übrigen Bergen abgesondert und wie weggerissen erscheinen, sodass ihnen die Stadt wie zur Auszeichnung als eine Krone aufgesetzt ist. Wir wohnten in Philippopel bei einem griechischen Priester von alterprobter Redlichkeit, der den jammervollen Zustand und die Knechtschaft seines Volkes lebhaft‘ beklagte. Als wir schieden, sahen wir auf sumpfigen und wässerigen Plätzen den Reis wie Weizen wachsen; die ganze Ebene ist mit Erdhügeln wie übersät, von denen die Türken fabeln, dass sie kunstvoll aufgeworfen seien als Denkmäler der Schlachten, die nach ihrer Ansicht häufig hier stattgefunden haben und der Menschen, die hier die Kriegsfurie in den Gräbern verschlang. So wanderten
*) Ovid, heroides 2, 114.
**) Phalippopel(161 m ü.d. M.), türkisch Filibe, bulgarisch Plovdiv, an der Maritsa, mit 42000 Einwohnern, das alte Eumolpias, das nach Philipp II. von Makedonien genannt wurde. Nachdem Adrianopel von den Türken erobert war, nahm Lala- schahin, der Feldherr Murads I, auch Philippopel 1363 ein und schlug hier als erster Beglerbey von Rumelien seinen Sitz auf. Heute ist es der Herd der makedonisch-bulgarischen Bewegung; vgl. über diese brennende Frage jetzt Hugo Grothe, Auf türkischer Erde, p. 303 f. Durch Makedonien und Albanien. Berlin, Pätel 1903.


