Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
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erg

Ehe man in die Ebene hinabsteigt, welche gegen Philippopel sich ausdehnt, muss man durch ein rauhes Waldgebirgsjoch ziehen, welches die Türken Kapuderbent, das heisst die enge Pforte*), nennen. In dieser erwähnten Ebene trafen wir gar bald auf den Hebrus**), der nicht weit von hier im Rhodope- gebirge entspringt, dessen schneebedeckte Scheitel wir, ehe wir den genannten Engpass überstiegen, erblickten und das die Anwohner, wenn ich nicht irre, Rulla(Rila) nennen. Daraus kommt, wie auch Plinius bezeugt, der Hebrus hervor, ein

in Ungarn und Österreich angesiedelt. Die Serben zeigen den slavischen Typus sowohl in körperlicher als geistiger Hinsicht reiner als die Bulgaren. Der Religion nach sind Bulgaren wie Serben griechisch-orthodox; in Bosnien und Altserbien sind die Serben nach der türkischen Eroberung teilweise zum Islam über- getreten, wie die bulgarischen Pomaken, die um Lovtscha und Plewna, besonders aber im Rhodopegebirge wohnen. Das durch den Berliner Vertrag 1878 neugebildete Fürstentum Bulgarien umfasst mit Ostrumelien 3 733 000 Einwohner, darunter 2 505 000 Bulgaren, 500000 Türken, 62 000 Rumänen, 60 000 Griechen, 52 000 Zigeuner, 27 000 Juden, 16 000 Tataren und 18000 ver- schiedene Nationalitäten, Armenier, Deutsche und Russen.(Vergl. Meyers Türkei a. a. O. und meine Geschichte der europäischen Türkei in Felmolts Weltgeschichte, Band V.).

E® Von hier, bei der Station Ichtiman, überschreitet die alte Gebirgsstrasse noch einen waldigen Engpass, den von Mutivir oder Kapudschick(842 m), das Trajanstor genannt, weil der Kaiser Trajan im ersten Kriege gegen die Dasier 101 n. Chr. auf diesem Wege an die Donau vordrang. Auf der Passhöhe sieht man heute noch Mauerreste, die wohl von römischen Befestigungen herrühren. Das Ichtimanergebirge verbindet das Balkan- mit dem Rila- und dem Rhodopegebirge, das im Muss-Alla mit 2930. m die höchste Erhebung der Balkanhalbinsel erreicht.

*#) Jetzt Maritsa, entspringt oberhalb Banja am Tschadir Tepe, einem Teil des antiken Rhodopegebirges; er fliesst anfangs nördlich, dann östlich, dann südlich und mündet nördlich von Enos ins Ägälsche Meer. Seine Länge beträgt 437 km. Schiffbar ist er für kleine Bote von Adrianopel an.