Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
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Aber bald darauf hatte sich für König Fereinand die günstige Gelegenheit ergeben, Ungarn durch Einverleibung Siebenbürgens seinen früheren Glanz zurückzugeben, und er hatte auf Andrängen der Ungarn mit der Witwe und dem Sohne Johanns des Woiwoden verhandelt, der einst die Königs- krone Ungarns beansprucht und für den Verzicht darauf Siebenbürgen erhalten hatte. Als nun, wie unvermeidlich, das Gerücht davon zu den Ohren der Türken kam, rief Rustan, der Schwiegersohn Solimans und Grossvezier, Malvezzi zu sich und fragte ihn, ob diese Gerüchte auf Wahrheit beruhten. Malvezzi bestand beharrlich darauf, dass sie unrichtig seien und erbot sich, im Falle er die Unwahrheit spreche, jeder Strafe sich zu unterziehen. Als sich aber Ferdinand alsbald ganz Siebenbürgens bemächtigte und kein Verheimlichen mehr half, da war der Sultan auf Rustan, weil er Malvezzi soviel getraut, und noch mehr Rustan auf Malvezzi erzürnt, durch dessen Trug er sich überlistet glaubte. Kurz, Malvezzi wird in den Kerker geworfen, sein Vermögen und seine Diener-- schaft mit Beschlag belegt. Im Gefängnis verbrachte er zwei Jahre in engster Haft und zog sich dabei ein beschwerliches Harnleiden zu, das nachmals zu seinem Tode führen sollte; denn man liess nichts zu ihm bringen, was ihn hätte heilen können. Die Türken sind eben nach beiden Gegensätzen ausschweifend, sei es in Nachsicht bei denen, welchen sie als Freunde gelten wollen,-sei es in Hass, wo sie erzürnt sind. Aber da ihre inneren Zwistigkeiten sie mehr nach Friede und Ruhe verlangen liessen und eine Wiedergewinnung Sieben- bürgens mit Waffengewalt für sie nicht möglich war, liessen sie sich leicht dazu bewegen, die Waffen niederzulegen und wegen Siebenbürgens sich auf: friedliche Unterhandlungen einzulassen, und zwar verlangten sie die Herausgabe desselben von der Krone Ungarn. Ferdinand war nicht gesonnen, die Verträge, die er weder mit Gewalt noch mit List von dem Woiwoden erreicht hatte, ungiltig zu machen und gab Sieben- bürgen nicht heraus. Um diese Forderung den Türken be- greiflich zu machen, wurden der Dalmatiner Antonius Verantius (Wranczy), Bischof von Erlau und Franz Zay, der Befehls- haber der Donauflottille, welche die Ungarn Nassades nennen, beide Männer durch ihre Treue und Beflissenheit beim Könige