Be
Wetter und Schmutz, den kurzen Tagen, lauter Umstände, die an sich schon für das Reisen höchst ungünstig waren, musste ich notgedrungen den grössten Teil der Nacht hiezu verwenden und in dicker Finsternis oft auf grundlosen Wegen noch Gefahr laufen Hals und Bein zu brechen. Als ich aber nach Wien gekommen war, wurde ich durch Geheimrat Jan van der Aa bei Ferdinand eingeführt und mit dem Ausdruck gnädiger Huld empfangen, die der König denjenigen zu be- zeigen pflegt, deren Treue und Redlichkeit er Vertrauen schenkt. Ausführlich setzte mir der König auseinander, was er sich von mir verspreche, wie sehr ihm daran gelegen sei, dass ich das Amt der Gesandtschaft nicht von mir weise und die Abreise nicht länger aufschiebe; er habe sich dem Pascha von Budapest verpflichtet, dass sein(des Königs) Abgesandter anfangs Dezember unfehlbar in Ofen eintreffe; er wolle nicht, dass die Türken, falls er den Tag nicht einhalte, einen Grund hätten, die ihrerseits gegebenen Versprechen nicht zu halten. Es waren aber bis zu diesem Zeitpunkt kaum mehr 12 Tage übrig, ein Zeitraum, der kaum für eine kleine Reise, geschweige denn für eine grosse gereicht hätte; dennoch mussten davon noch einige Tage abgezogen werden, um nach dem mass- gebenden Wunsche des Königs noch den Herrn Johann Maria Malvezzi in Komorn zu besuchen; denn der König hielt es für sehr erspriesslich, dass ich mir die mir mangelnde Kenntnis der türkischen Verhältnisse durch einen Besuch bei Malvezzi verschaffte, einiges noch über Sitten und Charakter dieses Volkes erführe und aus seinem Munde die Ratschläge schöpfte, die ich dort nötig hätte. Malvezzi war nämlich einige Jahre Gesandter Ferdinands bei Soliman gewesen, besonders in der Zeit als Kaiser Karl V. aus gewichtigen Gründen(1545) durch Gerhard Veltwick einen Waffenstillstand mit den Türken schloss; in diesen Waffenstillstand auf 8 Jahre hatte auch König Ferdinand eingewilligt und Malvezzi hatte sich im Gefolge Veltwicks befunden. Ihn hatte Ferdinand nach seiner Rückkehr von dieser Reise nach Constantinopel zurückgesandt, auf dass er als Gesandter leichter den Ein- fällen der Türken in das Königreich Ungarn begegne, indem er bei dem Sultan persönlich über die Ausschreitungen seiner Befehlshaber sich beschweren und Genugtuung verlangen könne.


