Erster Brief.
Was ich Dir bei meiner Abreise versprach, über meine ganze Reise nach Constantinopel zu berichten, das will: ich jetzt halten, und zwar will ich mich dessen, wenn mir recht ist, mit Zinsen entledigen. Denn zur Reise nach Constantinopel kommt jetzt die nach Amasia hinzu, die an ungewöhnlicher Bedeutung hinter der anderen nicht zurückstehen dürfte. Wenn Du dabei siehst, dass es mir gut ergangen ist, wirst Du daran Deine Freude haben;. bei unserer alten Freundschaft ist es selbstverständlich, dass wir Freud und Leid gemeinsam empfinden; wenn mir, was bei einer so grossen und schwierigen Reise nicht zu umgehen war, manches Widrige zugestossen, wirst Du es Dir nicht zu sehr zu Herzen nehmen, weil es jetzt vergangen ist, und so sehr es mich auf der Reise selbst drückte, so angenehm ist es mir, mich daran zurückzuerinnern, da ich es überstanden habe. Du weisst, dass ich nach meiner Rückkehr aus England, von der Hochzeit des Königs Philipp und der Königin Maria*), wo ich mich im Gefolge des Don Pedro Lasso de Castilla befand, den der römische König Ferdinand, mein allergnädigster Herr, als Ehrengast entsandt hatte, von eben demselben, meinem königlichen Herrn, zu dieser Reise schriftlich entboten wurde. Als ich dieses Schreiben zu Lille am 3, November erhielt, verweilte ich nur mehr so viel Zeit, um auf einem Umwege über Busbeck von meinem Vater und den Freunden Abschied zu nehmen. Von hier reiste ich über Tournay in Eile nach Brüssel. In Brüssel traf ich Don Pedro selbst, der dem Eilenden, wie man zu sagen pflegt, noch. die Sporen gab, indem er mir einen Brief des Königs zeigte, der ihn veranlassen sollte, meine Abreise noch mehr zu beschleunigen. Ich nahm daher auf allen Stationen Eilpferde und trachtete mit grösstmöglicher Schnellig- keit nach Wien zu kommen. Die Strapaz auf dieser Reise war gross. Denn abgesehen von der ungewohnten Beschwer- lichkeit des schnellen Reitens, der Jahreszeit, dem schlechten
*) 25. Juli 1554 zu Winchester gefeiert.


