bergen; denn Landfriedensbruch, Plackerei, Straßenraub, Mord un Diebſtahl ſeien ſtark eingeriſſen. Die Wächter ſollen beſonders auch die Hecken, Sträucher und Wälder unterſuchen und im Notfall Sturm läuten. 1
Da kam der 30jährige Krieg auch über Naſſau*). Man weiß, wel ches Elend er brachte und wie zuchtlos oft die Soldaten auch dan waren, wenn ſie zu einem beſtimmten Truppenteil gehörten. Deshalb kann man ſich es leicht ausmalen, wie es die Landsknechte wohl erſt getriebe haben mögen, wenn ihr Regiment aufgelöſt war. Hören wir doch, da dieſe zuchtloſen Soldatenbanden oft 400 Mann ſtark waren“). Ins⸗ beſondere iſt die letzte Hälfte des großen Krieges voll von Klagen übe die Landsknechtsplage.
So muß 1632 die Diezer Regierung Tag⸗ und Nachtwächtern a den Diezer Stadttoren ſtrengſte Aufmerkſamkeit anbefehlen“), dami nicht Haus, Weib und Kind überfallen oder die Pferde weggenomme werden. Auch in der Grafſchaft Hadamar wird 1634 vor den Pferde⸗ räubern gewarnt, und zweimal in dem einen Jahr 1647 muß den Untertanen dort geſagt werden, ſich vor den in Büſchen, Gründen un Gräben verſteckten Soldaten in Acht zu nehmen. Beſonders in de Morgenfrühe ſoll man nach ihnen fahnden und jeden Juden mit 1 Rottalern Strafe belegen, der den Soldaten Pferde abkauft oder ihne gar zu dieſem Zweck in den Wald und Buſch nachreite. Es iſt denn au recht bezeichnend“), daß 1610 die Zahl der Pferde im Naſſauiſchen ſechs⸗ mal ſo groß war wie 1880. Schon 1636 war jedem Einwohner der Grafſchaft Hadamar befohlen worden, ſich innerhalb 14 Tagen mi Gewehr, Gabel, Stange oder Spieß auszurüſten. Auf den Kirchtürmen ſoll ein Wachtpoſten ſtehen, wer ſich aber nachläſſig erweiſe, einen Gulden bis einen Reichstaler Strafe zahlen. Dieſes Strafgeld ſoll dan für den Ankauf von Lunten und Pulver verbraucht oder aber, was un heute ſonderbar anmutet, vertrunken werden“*). In ähnlichem Sinn ſind die Hadamarer Erlaſſe von 1637 und 1646 gehalten“).
Das Unweſen hörte aber nicht auf, denn die immer neuen Kriege, die Raubkriege Ludwigs XIV., der Spaniſche Erbfolgekrieg, die Schleſi⸗ ſchen, Revolutions⸗ und Napoleoniſchen Kriege ließen den land⸗ ſtreichenden, gartenden Söldner nicht ausſterben. Bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein herrſchte deshalb eine öffentliche Unſicher⸗ heit von recht bedeutendem Umfang. Es iſt ohne weiteres anzunehmen, wenn auch nicht immer genau nachzuweiſen, daß bei Raub⸗ und Mord taten plündernde Soldaten neben anderem Geſindel ſtark beteiligt waren. Ein Denkmalu“) ſogar bei Waldernbach erinnert an dieſe Zeiten. Dort ſteht an der Landſtraße nach Lahr ein Kreuz zum Andenken an
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