am 25. 5. 1644 heißt es:„den verbrannten Leuten von Eiſenach, denen der H. Inſpektor in ihr Buch geſchrieben“. Auch adlige') Bettler finden ſich unter ihnen und 1799 Italiener im Oraniſchen, die durch Waſſers⸗ not ihre Habe eingebüßt hatten, wie denn auch ſonſt Italiener als Bettler im 18. Jahrhundert bezeugt ſind, z. B. in Niederſcheld').
Eine andere Gruppe von Bettlern bilden die Burkarte, die wirklich oder angeblich an einer Krankheit litten. Wieder iſt es Herborn“), wo uns aus dem 17. Jahrhundert bezeugt iſt, daß man ausländiſche Bettler in Krankheitsfällen unterſtützte. Da iſt einer mit Krebs, einer mit Grind behaftet, man gibt Geld„einem armen Jungen mit einem böſen Haupt“, „einem mit der Waſſerſucht beladenen Menſchen“,„einer lahmen Frau“, einem„Mondſichtigen“,„einem mit der fallenden Sucht beladenen Jun⸗ gen“. Manchmal fällt einer bei einer Reiſe zum Bade der öffentlichen Wohltätigkeit zur Laſt, ſo„Moenii Wittib mit ihrer Tochter, ſo bau⸗ fällig geweſen, ins Bad gezogen“. Solche kranke Bettler ließen ſich ſogar auf Karren, durch ſogenannte Reihenfuhre, von Dorf zu Dorf
fahren. Im 30jährigen Krieg ſchon wird in Dillenburg')„einem kranken
Jungen, ſo auf dem Wagen gefahren iſt“, ein Almoſen von 5 Albus ge⸗ ſpendet. Gegen derartiges Bettelvolk richtet ſich die oraniſche Auswei⸗ ſungsverfügung von 1756. Großen Nutzen brachte der Befehl aber auch
hier nicht. Denn von einem beſonders kraſſen Fall hören wir aus dem
Jahre 1800. Im Dezember 1800 ſtarb nämlich zu Bergebersbach eine alte Bettlerin, die ſich durch ſogenannte Reihenfuhre von Ort zu Ort bringen ließ. Da ihr Ende nahe war, ſchoben die Bauern ſie immer ſchnell aus dem Dorf weiter, um den Begräbniskoſten zu entgehen. So war ſie am Tage ihres Todes von Wiſſenbach über Eibelshauſen, Stein⸗ brücken nach Bergebersbach gebracht und dort auch beerdigt worden; denn ihr Wunſch, auf dem katholiſchen Friedhof zu Irmgarteichen bei ihren Glaubensgenoſſen die letzte Ruhe zu finden, ließ ſich nicht erfüllen. Sie gab damals— 1800— ihr Alter auf 108 Jahre an, und man fand tatſächlich bei ihr einen Trauſchein, der 1711 ausgeſtellt war. Auch das Totenbuch der evangeliſchen Gemeinde Bergebersbach“*) geht kurz auf den Vorfall ein:„Zu Bergebersbach geſtorben ein Fremdling den 6. De⸗ zember morgens 5 6 Uhr, begraben dort den 9. Dezember morgens in der Stille“. Sie hieß Catharina Eliſabeth, Joh. Joſt Nöll nachgelaſſene Witwe geb. Kitzew von Aſtenberg in Berleburg⸗Wittgenſtein. Nach ihrem Kopulationsſchein war ſie im Kloſter Altenberg bei Wetzlar 1711 getraut worden. Noch zweimal ging die Regierung gegen ſolche Reihen⸗ fuhren vor, 1807⅛) und 1816 im naſſauiſchen Geſetz über das Armen⸗ weſen“).
*) Freundliche Mitteilung des † Herrn Pfarrers Nebe dort.
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