Aufsatz 
Von Landstreichern, friedlosen Leuten und fahrendem Volk, besonders in den nassau-ottonischen Ländern von 1500 bis 1800 : Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Nassaus
Entstehung
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Kunſt unwiderleglich beweiſen wolle. Es iſt nun ſehr bezeichnend, daß tatſächlich die fürſtlich⸗oraniſche Regierung auf einen Bericht der Orts⸗ behörde hin die Bitte gewährte. Als er aber bei dieſer Beſchwörung durch ein Abortfenſter fliehen wollte, wurde er gefaßt und gab nun zu, daß er ein Schwindler und kein Prieſter ſei, ein Mainzer Perücken⸗ macher habe ihm die Tonſur gemacht, er heiße auch nicht Joſef Anton Brunnquell und habe den Lärm durch Türzuſchlagen und mit einem großen Stein verurſacht. In der Tat fand man in Schmidts Hauſe einen 42 Pfund ſchweren Stein. Dieſer Menſch hatte nun, wie die Unter⸗ ſuchung ergab, ein recht bewegtes Leben hinter ſich. Er hieß in Wirk⸗ lichkeit Kirchbauer, war Lehrerſohn, ſtammte aus dem Würzburgiſchen, war mit 21 Jahren in die Fremde gegangen und Küſter in dem damals naſſau⸗weilburgiſchen Dorf Göllheim am Donnersberg geworden, wo man ihn aber wegen ſeines üblen Lebenswandels entließ. Nun wurde erGeiſterbeſchwörer. Dafür bekam er 1778 in Düſſelsorf 15 Hiebe und 1 Jahr Zuchthaus. 1779 betrog er in der Grafſchaft Ingelheim einen kaiſerlichen Werbeunteroffizier um 32 Gulden, eine ſilberne Ta⸗ ſchenuhr, ein Hemd und zwei Strümpfe. Ins Algesheimer Gefängnis eingebracht, riß er aus, ſtahl in Kadernbach im Amte Ehrenbreitſtein einem Lehrer ein Hemd, ein ſeidenes Taſchentuch und an Bargeld zwei Gulden 24 Albus, gab aber demgaſtfreyen Wirt die feierliche Bene⸗ diktion, als er mit dem Raube abzog. Auf einer Mühle ſtahl er darauf ein Hemd und zwei Taſchentücher, bis ihn dann in Diez das verdiente Schickſal erreichte. Hier wurde er nämlich zu 2 Jahren öffentlicher Schanzarbeit verurteilt, und außerdem mußte er an 3 Feiertagen hintereinander am Pranger ſtehen. Der ſchatzſuchende Bäcker Schmidt aber hatte die Hälfte der Unterſuchungskoſten zu tragen oder im Un⸗ vermögensfall 8 Tage Wegearbeit zu verrichten.

Ich wende mich nun zu einer anderen Bettlerſorte, den Grantnern, die ſich fallſüchtig ſtellen und ſogar Seife in den Mund nehmen, um ſo Schaum vor den Mund treten zu laſſen. Zu dieſen gehörte ein ge⸗ wiſſer Andreas Roth aus Weiſenheim im Amte Alzey, der 1773 im Dillenburgiſchen verhaftet wurde. Er ſtellte ſich fallſüchtig und trug an der linken Hand und am rechten Fuß die Merkmale verbüßter Ketten⸗ ſtrafe.

Sönzengänger nannte man die Bettler, die durch den Krieg ver⸗ armt zu ſein vorgaben oder angeblich durch Feuersbrunſt und Waſſers⸗ not Hab und Gut verloren hatten. So bettelten abgebrannte Schweizer und Franzoſen in Herborn) öfters im 17. Jahrhundert. Daß man ihnen auf Grund obrigkeitlicher Zeugniſſe dort Geld gab, beweiſt der Eintrag in der Almoſenrechnung vom 16. 3. 1644:einem verbrannten Bürger von Wetzlar, wie der H. Inſpektor ins Kollektenbuch geſchrieben. Und

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