in Oberurſel„7 Geiſtliche, ſo von dem Türken gefangen geweſen“ einen Gulden aus dem ſtädtiſchen Armenhoſpital empfingen“). 4
Die Debiſſer oder Dopfer geben ſich als Ordensbrüder aus und ſammeln für einen angeblichen Kirchenbau oder ein Kloſter. So ſind uns in Herborn') allein von 1640 bis 1655 66 Leute bezeugt, die für Kirchenbauten bettelten. Solche Bettler nennt auch z. B. eine Siegener Verordnung von 1739. 1792 wurde in Wiesbaden mit einigen Räubern 4 auch ein falſcher Kollektant verhaftet, und in einer Beſchreibung von 11 gefährlichen Vagabunden, die 1805 in Oranien veröffentlicht wurde, ſteht zu leſen, daß auch 7 falſche Kollektanten unter ihnen waren. 8
Auch die Kammeſierer lernen wir kennen, verkommene Schüler 3 und Studenten, die ſich bisweilen als Prieſter ausgeben. In und nach dem 30jährigen Kriege ſind dieſe neben Gelehrten, landflüchtigen Geiſt⸗ lichen und Adligen ſowie Pfarrerswitwen in den Akten nichts Seltenes. So wurden 1630 in Oberurſel') 180 Bettler unterſtützt, darunter 47 Studenten, die oft truppenweiſe durchkamen, verkommene Adlige und 27 Abgebrannte, und in einem Herborner!*) Rechnungseintrag vom 21. 3. 1642 heißt es:„Zween Studenten aus Frankreich, hatten 10 vor 6 geſetzt, 16 alb.“ Sie hatten alſo den Eintrag des Pfarrers gefälſcht und 16 ſtatt 6 Albus Almoſen erhalten. Solchen Leuten verbietet das Armenreglement des Fürſten Chriſtian von Naſſau⸗Dillenburg vom Jahre 1727 das Land, da ſie auch noch oft unflätige Lieder ſingen, mit falſchen Zeugniſſen reiſen, die wirklichen Armen aber ſchädigen. Er nennt ſie draſtiſch„verſoffene und laſterhafte Stricher“.
Die Vagierer ſind angeblich Meiſter in der ſchwarzen Kunſt, die den Teufel, Hagelwetter und anderes Unheil beſchwören. Schon 1586 warnt eine Siegener Verordnung vor Wahrſagern, Teufelsfängern und Chri⸗ ſtallenſehern und ebenſo eine Dillenburger“) von 1606 vor ihnen, den Zauberern und Beſchwörern. Ein beſonders hübſches Beiſpiel für dieſe Bettlerſorte bietet uns der Fall“) des Geiſterbeſchwörers Joſef Anton Brunnquell in Diez 1779. Dort ſuchte der Bäcker Schmidt in ſeinem neugekauften Hauſe nach verborgenen Schätzen, als ein Landſtreicher in die Stadt kam, der ſich für einen Prieſter des damals aufgehobenen Jeſuitenordens ausgab. Unter allerlei Hokuspokus nahm er nun im Schmidtſchen Hauſe zwei Geiſterbeſchwörungen vor, machte dabei aber einen ſolchen Radau, daß die Nachbarſchaft aufmerkſam wurde und die in Kenntnis geſetzte Ortsbehörde ihn verhaftete. Bei der Vernehmung erklärte er, er ſei der Jeſuitenprieſter Joſef Anton Brunnquell, und brüſtete ſich mit ſeinen Erfolgen auf dem Gebiete der Teufelsbeſchwö⸗ rung. So ſagte er z. B., der Geiſt im Bäckerhaus hätte Plattdeutſch mit ſchlechtem Latein vermiſcht geſprochen. Ja, er bat, man möge ihn zu einer dritten Beſchwörung zum Bäcker führen, weil er dabei ſeine
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