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„Hier ein Fingirter ohne Hand den Leuten zeigte ſeine Stumpen, „Dort ein gemachter Leibesbruch durch lauter ausgeſtopfte Lumpen. „Auch oft manch falſcher Kollektant mit ſelbſtgemachtem Steuerbriefe, „Obſchon derſelbe klappte nicht, ſich doch ganz ſteif darauf beriefe.
„Der Eine wollt beſeſſen ſein, führt fremde Sprache, kräht und bellte, „Der war ein Jud, begehrt die Tauf, der andre als ein Narr ſich ſtellte. „Kurz hier der Eine kam mit Trutz, der kläglich, jener machte Poſſen, „Und von dergleichen Bettelart kaum jemals war ein Tag verfloſſen, „Bis endlich durch geübten Fleiß und oft in einer Viertelſtunde
„Die ſchwere Noth entdecket ward, der Stitzelfuß marſchieren kunnte; „Der Krumme konnte aufgereckt, der Lahme ohne Krücken gehen,
„Daß weder Arm noch Bein entzwei, das konnte Jeder leichtlich ſehen.“
Ja, man unterſchied nach ihren Kniffen beſtimmte Bettlergruppen mit feſtſtehenden Spitznamen, die z. B. in einem 1509 erſchienenen „Liber vagatorum“ der Reihe nach aufgezählt werden). Der Vollſtän⸗ digkeit halber ſeien alle dieſe Bettlerſorten genannt, wenn ſie auch nicht immer ausdrücklich in Naſſau⸗Oranien bezeugt ſind.
Es ſind zunächſt die Stabüler, die mit Weib und Kind das Land durchziehen und Hut und Mantel mit Heiligenbildern bekleben; die Klenkner, die auf Krücken gehen, obwohl ſie geſunde Füße haben, und vor allem an den Kirchentüren betteln; die Schlepper, die ſich als Prie⸗ ſter ausgeben und die Bauern in Brüderſchaften aufnehmen; die Zickiſſen, die Blindheit heucheln, gemalte Täfelchen auf der Bruſt tragen und angeblich von einem Wallfahrtsort kommen; die Schwanfelder, die ſich halbnackt vor die Kirchentüren ſetzen, als ob ſie ihre Kleider verloren hätten; die Vopper, die ſich wahnſinnig ſtellen und ſich an Ketten führen laſſen; die Dallinger, die ſich vor den Kirchentüren geißeln, um angeblich für ihre Sünden Buße zu tun; endlich die Sefelgräber, die vorgeben, verborgene Schätze finden zu können.
Natürlich iſt bei vielen der genannten Arten der Umſtand, daß Naſſau⸗Oranien ſchon früh evangeliſch geworden war, der Grund, war⸗ um ſie ſich hier nicht nachweiſen laſſen. Um ſo mehr Kunde haben wir von anderen.
Da ſind zunächſt die Loßner zu nennen. Sie tragen Ketten und geben vor, im Zuchthaus oder im Heiligen Land in Gefangenſchaft ge⸗ ſeſſen zu haben. Drei davon begegnen uns in der Dillenburger Almoſen⸗ rechnung*) 1653, wo es heißt:„Den 13. Mai dreyen, ſo ſich für gefan⸗ gene vom Türcken außgegeben, aber falſche Betrieger geweſen und zwee davon hier mit ruthen außgeſtrichen, der dritt iſt ein catholiſcher pfaff geweſen und pardoniert worden 18 alb.“ In dieſem Zuſammenhang ſei erwähnt, daß in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts auch
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