zeichnet der Stadtwachtmeiſter in Dillenburg ſowie die Scharfrichter in Emmerichenhain und Niederzeuzheim).
Noch einmal muß 1805 in Oranien vor Thüringern, Ungarn und Tirolern gewarnt werden, die Abführmittel feilboten und neben den landſtreichenden Juden angeblich damals ſchuld an der ſtarken Verbrei⸗ tung des gelben Fiebers waren. Es wird ihnen deshalb bei 10 Gulden Strafe jeder Arzneihandel verboten. Um ihnen die Benutzung von Schleichwegen unmöglich zu machen, dürfen ſie bei Strafe ſofortiger Verhaftung nur die Hauptſtraßen des Fürſtentums benutzen und dies auch nur dann, wenn ſie vorher, alter Verordnung gemäß, ihre Kiſten haben verſiegeln laſſen.
Dieſe Landſtreicher ſchädigten aber nicht nur die Geſundheit der Leute, die ſich gegen jede neue ärztliche Errungenſchaft ablehnend ver⸗ hielten und z. B. damals ſchon das Impfen*) bekämpften, ſondern mach⸗ ten auch bisweilen lange Finger. Es iſt recht bezeichnend, daß ſich unter den 1792 in Wiesbaden verhafteten Räubern auch ein ſogenannter „Chirurg“ befand, der„ſtolze Philipp“, wie er in der Anzeige der Be⸗ hörde heißt, der prächtig gekleidet das Land durchzog und zwei Taſchen⸗ uhren bei ſich trug, als man ihn hinter Schloß und Riegel brachte.
IV.
Die vierte Urſache der Landſtreicherei und vielleicht die wichtigſte war die außerordentliche Verarmung weiter Volkskreiſe, die auf die vielen Kriege, beſonders den 30jährigen“) zurückzuführen war. Auch in Naſſau ſind deshalb die Bettler durch die Jahrhunderte hindurch eine ſchlimme Landplage. Nichts bezeichnet die Zuſtände in früheren Zeiten beſſer als eine 1729 von dem Hoſpital⸗ und Armenhausverwalter Johann Daniel Freinsheim verfaßte poetiſche Schilderung*), womit er ſeinen An⸗ trag unterſtützte, der die Errichtung einer Straf⸗ und Beſſerungsanſtalt für Landſtreicher und Bettler betraf und an die Fürſtin Charlotte Amalie von Naſſau⸗Uſingen gerichtet war. Die Verſe, die übrigens an Sebaſtian Brants„Narrenſchiff“(Kap. 63„von Bettlern“) erinnern, lauten:
„Man ſah auch Vieler Dürftigkeit und mußt betrübt das Winſeln hören, „Das Schalkheit oder Noth erweckt, daß Niemand jemals ſicher wußte, „Ob's Bosheit oder Armuth ſei, drum man viel drunter leiden mußte, „Wan öfters da ein Höllenbrand die ſchwere Noth) geſchickt fingierte, „Dort ein verſtellter Stitzelfuß für Jedermann als lahm paſſirte,
„Wan bald ein ſtarker Landesknecht auf allen Vieren kam gekrochen, „Bald einer, dem der Arm entzwei, dem andern ſei das Bein gebrochen.
*)— Fallſucht
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