Aufsatz 
Von Landstreichern, friedlosen Leuten und fahrendem Volk, besonders in den nassau-ottonischen Ländern von 1500 bis 1800 : Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Nassaus
Entstehung
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Das Unweſen ließ ſich aber dennoch nicht beſeitigen, denn ſchon 1779 muß wieder in Naſſau⸗Oranien öffentlich vor dem Juden Jere⸗ mias aus Singhofen gewarnt werden, der als Wunderdoktor die Leute betrüge, und im gleichen Jahr wird eine gerichtliche Unterſuchung in allen Fällen angeordnet, wenn ein Untertan ſtirbt, der bei einem Stör⸗ ger oder Quackſalber in Behandlung war.

Beſonders große Opfer forderte der Aberglaube des Volkes, als 1781 die Ruhr*) auch im Fürſtentum Oranien auftrat. Schon als ſich die Krankheit 1779 an den Grenzen des Landes zeigte, gab die Regie⸗ rung eine belehrende Schrift heraus, einekurze Anleitung, wie der Landmann und diejenigen, ſo keinen Arzt erlangen können, bey herum⸗ gehender Ruhr und in denen Jahreszeiten, da ſolche gewöhnlich ſich ein⸗ zufinden pfleget, ſich zu verhalten haben, für die Fürſtl. Oranien⸗ Naſſauiſche Lande entworfen. Der§ 14 dieſes Schriftchens warnt vor den betrügeriſchen Quackſalbern, unwiſſenden Afterärzten und einfälti⸗ gen Rezeptkrämern, die für jede Krankheit ein eigenes Mittelchen zu beſitzen glauben, dadurch aber Bauern und Städter auf die Schlachtbank liefern. Das Volk wird beſonders vor ihren Purgiermitteln gewarnt. Der Satz:Sie halten dergleichen Marktſchreyer⸗Elixiere wie ihre Haus⸗ götzen in ihren Häuſern war leider nur zu ſehr berechtigt. Denn die Opfer), die dieſe Seuche forderte, waren gerade deshalb ſo groß, weil die Leute trotz alledem ſich von landſtreichenden Quackſalbern und Juden beraten ließen, ſodaß 1781 wieder vor dem deſtillierten Waſſer, den Ölen und Arzneien der wandernden Ungarn und Thüringer gewarnt werden mußte¹). Auch die oraniſche Apothekerordnung) von 1783 und der§ 22 dernaſſauiſchen¹) Medizinalverfaſſung 1818 verbieten noch mals den Arzneihandel der Packenträger, Thüringer, Laboranten, Un⸗ garn, Marktſchreier, Störger und Theriakskrämer und geſtattet ihnen nur den Verkauf wohlriechenden Waſſers.

Trotzdem wurde es 1786 bekannt, daß von dieſen Leuten beſonders der Weſterwald heimgeſucht wurde. Obwohl ihre Kiſten verſiegelt ſein mußten, hatten ſie dennoch Heilmittel verkauft, die dazu noch verdorben waren. Bezeichnend iſt auch das Vorgehen der Regierung der Grafſchaft Wied⸗Runkel 1787, als die Ruhr dort wütete. Sie gabVerhaltungs⸗ punkte bei der jetzt graſſierenden Ruhr heraus, verbot den Untertanen, ſich von Schäfern, alten Weibern und Scharfrichtern behandeln zu laſſen, und empfahl ihnen den jüdiſchen Arzt in Heckholzhauſen).

Nunmehr erhalten 1786 die anſäſſigen Apotheker und Chirurgen im Oraniſchen das Recht, die Kiſten und Schachteln der fahrenden Quack⸗ ſalber zu beſchlagnahmen, und 1783 wird den Phyſikis die Aufſicht über die Ortschirurgen übertragen. Damals werden als Kurpfuſcher be⸗

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