An erſter Stelle ſind da die Theriakskrämer zu nennen. Sie verkauften ein Allheilmittel, den Theriak“a), eine aus 70 Stoffen zuſammengebraute Latwerge, brachten die Leute um ihr Geld und machten gemeingefährliche Kuren. Schom 1582 warnt Graf Johann von Naſſau⸗Dillenburg vor ihnen und verbietet ihnen ſowie den Bruch⸗ und Steinſchneidern, den„Stör⸗ gern“, wie die Kurpfuſcher beſonders gern genannt werden, die Graf⸗ ſchaft, wenn ſie nicht eine ausdrückliche Genehmigung zum Praktizieren haben. Ähnlich wird 1586 im Amte Siegen vor den Störgern, Zahn⸗ brechern und Segenſprechern gewarnt, die ſich als ÄArzte ausgeben, und 1706 ebendort nochmals vor dem landſtreichenden Quackſalbergeſindel. Ganz ſcharf iſt eine oraniſche Verfügung von 1754. Da geſchickte Arzte jetzt genug im Lande ſeien— ſeit 170 Jahren lehrte“) ja die„Hohe Schule“ zu Herborn die Menſchen⸗ und Tierheilkunde—, ſoll man die Störger über die Grenze jagen und ihnen ihre Pulver, Pillen und Tropfen abnehmen“). Doch ergeht ſchon 1761 für dasſelbe Gebiet eine erneute Warnung vor den Afterärzten, Störgern und Quackſalbern, die hier als„Fuſcher“, anderswo“) derb als„Harnpropheten“ und„Stall⸗ monarchen“ bezeichnet werden.
In dieſem Zuſammenhang iſt die Medizinalverordnung“) des Für⸗ ſten Wilhelm von Oranien beſonders intereſſant, die 1772 im Haag er⸗ laſſen wurde. Sie erwähnt die aus Ungarn oder Thüringen kommen⸗ den„Olitätenträger“, die ölhaltige Medikamente feilboten, die„Waſſer⸗ brenner“ und„Laboranten“, die mit ſcharfen Eſſenzen handelten, und die Störger. Auch andere Bezeichnungen lernen wir hier kennen. Sie heißen in dieſer Verordnung Umgänger, Schachtelkrämer, Zuckerbäcker, Theriak⸗ und Wurzelkrämer. Es wird ihnen jeglicher Handel verboten. Wollen ſie jedoch das Land durchziehen, ſo müſſen ſie an der erſten Zollſtätte des Fürſtentums Oranien bei 10 Gulden Strafe ihre Kiſten verſiegeln laſſen. Lehrreich iſt auch die Stelle in der erwähnten Medi⸗ zinalverordnung, die von den Heilmitteln dieſer Quackſalber handelt. Es ſind: Aloe, ein ſtarkes, und Frankfurter Pillen, ein leichtes Abführ⸗ mittel; Wurmſamen; Kampfer; Süßholz; Lorbeer; engliſches Salz, wo⸗ mit entweder das als Abführmittel bekannte Bitterſalz gemeint iſt oder das gegen Ohnmachten und Schwächezuſtände benutzte engliſche Riech⸗ ſalz, eine Zuſammenſetzung aus kohlenſaurem Kalium, Ammonium und ätheriſchen Ölen; Gerſtenzucker, eine bei Beſchwerden der Atmungs⸗ organe angewandte Form des Zuckers ohne arzneiliche Wirkung; Kal⸗ mus, ein aus Calam. offic. hergeſtelltes ätheriſches Hl; Vieh⸗ und Tin⸗ tenpulver; Spiritus und endlich drei Arzneimittel, deren arzneiliche Wirkung mir unbekannt iſt, nämlich Penidienzucker(vielleicht ein Aphrodisiacum), Bruſtküchlein und Saurachküchlein. 1
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