Aufsatz 
Von Landstreichern, friedlosen Leuten und fahrendem Volk, besonders in den nassau-ottonischen Ländern von 1500 bis 1800 : Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Nassaus
Entstehung
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III.

Die dritte große Gruppe der Landſtreicher waren die wandernden Quackſalber). Ihre Zahl war ebenſo groß wie der Mangel an AÄrzten⸗) und der Aberglauben des Volkes, der ja auch heute noch ſo manchen Wunderdoktor reich werden läßt.

Im 16. Jahrhundert behalf man ſich mit Scherern und Barbieren, die ſich beſonders auf das Aderlaſſen und Schröpfen verſtanden. Zu ihnen gehört z. B. der um 1573 bezeugte Bartſcherer Meiſter Heinrich von Hachenburg, ſayniſcher Hofchirurg'), und ein Scherer des gleichen Namens aus Siegen), der 1555 für eine Sektion 20 Albus erhielt.

Als erſter in Naſſau tätiger Arzt wird urkundlich 1526 Kunz Hof⸗ man aus Rothenburg o. d. Tauber erwähnt, der den Grafen Philipp J. in Weilburg behandelte, wobei er ihmmit Darreichung ſeiner Kunſt in einer Leibeskrankheit und anderer Unſchicklichkeit dienſtlich geweſen. Als beſonderen Lohn erhielt er die Zuſicherung, daß er im Spital zu Wiesbaden lebenslang unterhalten werden ſollte, wenn er ſeine ärztliche Kunſt nicht mehr ausüben könne).

Damals waren ſogar in Wiesbaden und Ems noch keine Ärzte an⸗ ſäſſig. In der Tat rief Graf Wilhelm von Naſſau⸗Dillenburg(†⁵ 1559), genannt der Reiche, einen Arzt aus Köln zu Hilfe, als ſeine Gemahlin erkrankte), und gebrauchte ſelbſt in ſeiner letzten Krankheit deneng⸗ liſchen Doktor zu Frankfurt). Bezeichnend ſind auch die Worte ſeiner Schwiegertochter Anna von Sachſen, die die zweite Gemahlin Wilhelms des Schweigers war. Sie begab ſich im November 1568 zur Niederkunft von Dillenburg nach Köln und bezeichnete als Grund hierfür auch die Tatſache, daß auf dem ganzen Weſterwald wederApothek, Balbirer noch Doktor zu finden ſeis). Sie mag ein wenig übertrieben haben, da 1597 den Dillenburgiſchen Untertanen einKurzes Verzeichnis, weſſen man ſich in Sterbensläuften verhalten ſoll rät, bei Peſtgefahr ſich der Heilmittel der Barbiere zu bedienen').

Genau ſo ſchlecht war es mit den Apotheken beſtellt. Die erſte in Naſſau iſt 1565 in Herborn bezeugt*), und gewiß war ihre Zahl im 16. und 17. Jahrhundert ſehr gering. Berief doch z. B. erſt 1674 die Fürſtin Albertine den erſten Arzt nach Diez, der zugleich eine Apotheke er⸗ öffnete), und 1638 lieferte ein Coblenzer Apotheker Arzneien dem gräf⸗ lichen Hof in Hadamarua). Es iſt ohne weiteres klar, daß unter ſolchen Umſtänden der einfache Mann ohne Ausnahme den wandernden Quack⸗ ſalbern in die Hände fallen mußte, wenn er einſah, daß ſeine z. T. auf altem Aberglauben beruhenden Hausmittel) ihre Wirkung verſagten. Doch ſei nicht verſchwiegen, daß ſich auch die Landesherrin bisweilen mit der Krankenpflege beſchäftigte und eine der Kammerfrauen ge⸗ wöhnlich dieApothekerin hieß).

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