Aufsatz 
Von Landstreichern, friedlosen Leuten und fahrendem Volk, besonders in den nassau-ottonischen Ländern von 1500 bis 1800 : Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Nassaus
Entstehung
Einzelbild herunterladen

neuern muß, das igmmer noch in manchen Dörfern geduldet werde. Zwar geſtattete Fürſt Friedrich Wilhelm Adolf zu Naſſau⸗Siegen ihnen 1715 das Betreten des Landes, wenn ſie einen behördlichen Erlaubnis⸗ ſchein beſaßen, aber 1725 klagt ſein Nachbar in Dillenburg, Fürſt Chriſtian, wieder bitter über die Vagabunden, Räuber, Diebe und Zi⸗ geuner, die ſogar rottenweiſe durch ſein Land zögen. Alle 8 Tage ſoll deshalb eine Streife) durch Wald und Feld vorgenommen werden, man ſoll ſie totſchlagen oder totſchießen und ihnen ihre Habe abnehmen. Bei 20 Rottalern Strafe verbietet er den Wirten, ſie zu beherbergen, unter Umſtänden ſollen ſie ſogar als Hehler nach Karls V.peinlicher Halsgerichtsordnung beſtraft werden. Wie wenig dieſe Erlaſſe dem übel zu ſteuern vermochten, beweiſt die Tatſache, daß er 1727 nochmals zur Austreibung der Zigeuner auffordert. Gerade in jenen Jahren müſſen dieſe im Naſſauiſchen und im benachbarten Heſſen ein Schreckens⸗ regiment ſondergleichen geführt haben. Fällt doch in das Jahr 1726 die Hinrichtung einer großen Zigeuner⸗, Mord⸗ und Räuberbande in Gie⸗ ßen, deren Tätigkeit ſich z. T. im Naſſauiſchen abſpielte und uns durch einen Zeitgenoſſen') ſehr eingehend auf faſt 200 Druckſeiten geſchildert iſt. Dieſe Bande hatte u. a. den Pfarrermord in Dörsdorf') und ſchwere Einbrüche in Hahnſtätten, Mühlen und Beilſtein auf dem Gewiſſen. Als Helfershelfer wurden durch den Prozeß bekannt der Wirt*) Georg Hey⸗ mann in Rückershauſen, der ihnen angab, wo ein Einbruch beſonders ertragreich war, und der Jude Elias Aaron in Obertiefenbach, der den Zigeunern die geraubten Sachen abkaufte, ja zu dieſem Zweck ihnen in den Wald nachritt, wie denn auch bei einer 1727 in Darmſtadt hinge⸗ richteten Zigeunerbanden) Wirte und Juden als Hehler tätig waren.

Der Treffpunkt beider Banden, die jahrelang beſonders auch im Heſſiſchen ihr Unweſen trieben, war u. a. Langhecke, weil man von da mit Leichtigkeit über die Grenze fliehen konnte. Es iſt deshalb öfters die Rede von demWirthshauß) auf der Langen Hecke, welche wegen der dicken Hecken und der darinnen verborgenen Höhlen, auch ziemlich weiten Bezirck, einige Zeit her ein ſicherer Aufenthalt vor die Ziegeuner

und Spitzbuben geweſen. Endlich nahmen ſich die Grafen Joſt

Chriſtian und Friedrich Karl von Stolberg ſowie Wolfgang Ernſt und Ernſt Kaſimir von Iſenburg⸗Büdingen der Untertanen an; mit großer Mühe gelang die Verhaftung der Kerle, die auf der Folter 138 Fragen beantworten mußten, und das Urteil lautete):Frantz Lampert, Anton Alexander, der kleine Galant genannt, Johannes la Fortun, vulgo Hemperla, Lorentz Lampert und Johannes Lorries oder Gabriel ge⸗ nannt, durch Zerſtoßung ihrer Glieder von oben herab zu radbrechen und deren Cörper aufs Rad zu flechten, ſodann Henrich Störtzinger,

Beckerhanß, Hanß Henrich Foura, Johann Peter Selantin, der Juncker

7