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gleich fühlen mochte, daß man ſie nicht verdient hatte. Bisweilen, nachdem er dieſelbe Perſon mehrmals unterſtützt hatte, gab er mir Weiſung, ein ziemlich ſcharfes Brieſchen zu ſchreiben und darin anzu⸗ deuten, daß er fernere Bitten nicht beachten könnte. Im Laufe des Tages fragte er mich, ob ich das Brieſchen abgeſandt hätte. Er war dann unſchlüſſig, las des Bittſtellers Brief noch einmal, und ſich in ſeinem Armſeſſel zurücklehnend und die Brille auf die Stirne ſchiebend, blickte er mir feſt ins Geſicht. Was denken Sie davon N.—? Da ich meine Meinung darüber zurückhielt, fuhr er fort:„Nun denn, ſchicken Sie ihm noch einen Sovereign(20 Mark); und da dies das ſiebente Mal iſt, daß er verſprochen hat, niemals mehr mit einer Bitte ſich an mich zu wenden, ſo ſagen Sie ihm, daß ich ihm diesmal eine Kleinigkeit gebe, aber nur unter ver Bedingung, daß ich ſeine Handſchrift nie mehr ſehen werde. Ich will des armen alten Burſchen Gefühle nicht beleidigen, aber erklären Sie ihm, in den möglichſt höflichſten Ausdrücken, daß ich ſeinen Nacken ausgeſtreckt ſehen will, ehe ich ihm noch einen halben Pfennig ſchicke.“ Sich dann erhebend, um das Zimmer zu verlaſſen, blickte er zurück, ehe er die Thüre ſchloß, mich zu bitten, ich ſollte es nicht zu ſcharf aufſetzen und ihn den Brief vor der Abſendung ſehen laſſen. Ein ſolcher Mann war er— er konnte es nicht über ſich bringen, einen Augenblick Schmerz zu verurſachen.
Ich ſah kaum je ſolche Liebe zu kleinen Kindern wie die ſeinige war. Wenn auch mit der ſchwierigſten Angelegenheit beſchäftigt, konnte er ſich kaum entſchließen ſie hinauszuweiſen, wenn ſie in ſein Studir⸗ zimmer kamen, ohne ihnen ein Geſchenk von Zuckerwerk oder Kuchen mitzugeben, die er oft für ſie aufzuſparen pflegte; hörte er zufällig Geſchrei in den fernen Gegenden der Kinderſtube, ſo ſprang er auf, unterbrach den wichtigſten Brief und konnte nicht ruhen, bis er dieſem für ihn ſchmerzlichen Vorfall abgeholfen hatte. 8
„Es traf ſich bisweilen, daß ein kleiner Streit zwiſchen uns entſtand, meiſtens eine Meinungsverſchiedenheit; ich konnte unglück⸗ licherweiſe mich ſelten enthalten, gerade herauszuſagen, was ich im Augenblicke fühlte. Dies ärgerte ihn gewöhnlich, doch ſagte er nichts bis am nächſten Tage, und wenn ich glaubte, die ganze Sache wäre vorüber, ſagte er mit einem Male: Welch ein alberner Menſch Sie waren, geſtern in ſolche Hitze zu gerathen! Hätte ich geſprochen, wahr⸗ ſcheinlich würden wir uns getrennt haben. Machen Sie es ſich zur Regel, niemals zu ſprechen, wenn Sie im Zorne ſind, warten Sie bis zum nächſten Tage.


