— 52—
waren; da waren die Putzſachen einer ſehr feinen Dame, unter andern auch Schminke. Es wäre ſchwer zu ſagen, was da nicht war. In ſeinem Bericht heißt es weiter: 3
„Hierauf reiſten wir dem Ufer des Mittelmeers entlang, das außerordentlich ſchön war, wir hatten einen vollen Blick auf einen Theil der Bucht; dann beſuchten wir die Sibylle. Die Gegend war urſprünglich eine Ebene, auf der ſich viele Hügel, einige vor nicht langer Zeit, durch die Wirkung der Vulkane erhoben haben. Durch dieſe wand ſich unſer Weg; endlich hielten wir bei einem nach links abführenden Pfade an und wanderten dem See Avernus entlang zum Fuße des Berges. Es war recht merkwürdig, die„Unterirdiſchen Gegenden“ zu beſuchen, von denen ich immer glaubte, ſie wären tief unter der Erde; ich ſage Dir aber, heute ſah ich den Acheron, den Styx, das Eliſium und was noch; mit meiner eigenen Hand warf ich einen Stein ins„Todte Meer“ und ſah mit meinen eigenen Augen den Stein ſchwimmen.
Zunächſt gingen wir weiter,
Um den heiligen Hügel zu beſteigen,
Wo man den Sonnengott verehrt, und das Dunkel zu ſuchen, Welches vor dem Blicke deſſen ehrwürdige Tochter birgt. Tief in einer Höhle hat die Sibylle ihren Wohnort.“
Indem ich die Damen am Eingange zurückließ, begab ich mich mit vier Führern in den Berg. Die Höhle ſoll ſich ungefähr eine Viertelmeile hineinerſtrecken; es ſchien mir jedoch, als hätte man ſie mit einiger poetiſcher Licenz gemeſſen. Zuerſt war ganz hübſches Gehen, es wurde aber ſteiler, als wir weiter ſchritten. Die Wände waren von Lava, die durch das Alter hart geworden war. Hierauf kamen wir zu einem Waſſer, bei welchem ich den Rücken eines ſtarken Führers beſtieg, während ein anderer eine Fackel trug. Endlich ge⸗ langten wir an das Gemach der Sibylle, eine enge Zelle, in der eine Art ſteinernes Sofa ſtand und ein Schwefelbad war, worin die Sibylle ſich Jenen zu zeigen pflegte, die ſie um Rath befragten, unter andern auch dem Julius Cäſar. Nachdem wir alle dieſe Merk⸗ würdigkeiten geſehen, kehrten wir nach Neapel zurück.“
„Dieſen Morgen(15. April) bald nach 8 Uhr brachen wir nach Pompeji auf. Es iſt höchſt ſonderbar, im Jahre 1840 durch eine Stadt zu wandeln, welche in vielen Hinſichten eben ſo friſch und wohl erhalten iſt, wie ſie am 23. Auguſt 79 n. Chr. war. Da ſah man


