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vollendete Kunſtform Verzicht leiſtende Gelegenheitſchriften, ihren Werth allzu gütig ſchätzend, mit ihrer freundlichen Theilnahme beehrt und dieſe theils in öffentlichen Blättern, theils in Privatbriefen kund gegeben haben. Es iſt ein wohlthuendes Gefühl, inmitten unſerer politiſchen Zerriſſenheit und in der nicht ſehr hoffnungs⸗ reichen Sache höherer Nationalbildung bis an bie Ufer der Oſt⸗ und Nordſee, bis in unſer theures und erſehntes Schleswig hinein gleichgeſtimmter Herzen Geiſt und Empſindung zu gewahren. Leider haben mir von officiellen Schulſchriften nur die Gymnaſialprogramme des Königreichs Sachſen zu Gebote geſtanden. Wollen auch andere Collegen mich mit der Zuſendung ihrer Programme auf dem Wege des Buchhandels beehren, ſo werde ich dankende Erwiederung nicht unterlaſſen. Die Fortſetzung dieſer Hefte zur Gymnaſialreform kann zwar noch nicht verbürgt werden, ſte liegt in der bisherigen Form derſelben nicht einmal in dem Wunſche des Unter⸗ zeichneten, weil ſie auf die Dauer der Gefahr nicht entgehen würde, entweder für das Allgemeine bloße Wiederholungen zu liefern, oder für das Specielle jener Wahrheit und Treue der Darſtellung verluſtig zu gehen, welche mit den in einer amtlichen Schrift zu nehmenden Rückſichten nicht immer vereinbar erſcheint. Sollte die Quelle der perſönlichen und amtlichen Lebenskraft noch Nahrung genug finden, um in den nächſten Jahren nicht zu verſiegen, ſo würde ich wünſchen, zu der alten löblichen Gewohnheit zurückkehren zu dürfen, nach welcher jedes Gymnaſialprogramm eine wiſſenſchaftliche Ahhandlung nebſt einer von dem Director zu liefernden päda⸗ gogiſchen Beigabe enthielt, welche letztere das hier Begonnene in gedrängter Kürze fortſetzen würde. Auch das von Adreſſen und Petitionen ausruhende und von lei⸗ tenden Artikeln ermüdete Publicum würde ſich wohl damit ausſöhnen, wenn ihm das Verſprechen ertheilt wird, es mit lateiniſcher Gelehrſamkeit möglichſt zu verſcho⸗ nen. Ich erlaube mir deshalb, eine Abhandlung über Auswanderung und Coloni⸗ ſation der Griechen und der Deutſchen, oder über Entſtehung der Ortſchaften und Ortsnamen im Gr. Heſſen in Ausſicht zu ſtellen, von welcher letzteren das neueſte Heft der Friedemann'ſchen Archivzeitſchrift Auszug und Probeſtück mittheilt. Eine Geſchichte des zum Großherzogthum Heſſen gehörigen Ländergebietes während der llernzenderind(375— 509) werden die neueſten Hefte unſeres hiſtoriſchen Ver⸗ eins liefern.
Als wünſchenswerth für eine Gymnſialreform in unſerm Staate ſind unter Anderm bezeichnet worden: 1) eine durch methodiſches Studium der Pädagogik und Didaktik wie durch deren praktiſche Ausübung vervollſtändigte, durch Kunſtgeſchichte, moderne Philologie u. ſ. w. erweiterte akademiſche Bildung des künftigen Lehrer⸗ ſtandes, 2) eine über alle Lehrfächer, die ſprachlich⸗hiſtoriſchen ſowohl wie die mathematiſch⸗ naturwiſſenſchaftlichen und auf praktiſche Lehrtüchtigkeit in denſelben erſtreckte, aber zugleich für den Einzelnen auf gewiſſe Kategorien oder Combinationen beſchränkte Amtsprüfung der künftigen Lehrer, 3) eine Reviſion der Maturitäts⸗


