Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
Einzelbild herunterladen

60

und Andere gemacht hat. Aber das Alles hindert nicht, ſondern fordert nur um ſo dringender dazu auf, über gewiſſe für die Auswahl der Leſeſtücke nothwendige und heilſame Grundſätze ſich zu verſtändigen und ihnen gemäß eine im Einzelnen durch⸗ geführte Unterſcheidung deſſen in Anſpruch zu nehmen, was, um den Zweck der Bildung zu erreichen, von jedem Autor geleſen werden ſoll, geleſen werden kann und nicht geleſen werden darf, damit hierdurch, wie in der Dinterſchen Schullehrer⸗ bibel ein zwangloſer, die eigne Combination und Anbequemung an die jedesmaligen Umſtände nicht ausſchließender Fingerzeig gegeben werde. Was geleſen werden ſoll, iſt bei Homer und Herodot wo möglich der ganze Autor unter Beihülfe der Privat⸗ lectüre und mit geringen Weglaſſungen, wenigſtens iſt gegen methodiſche Ausſchei⸗ dung der Epiſoden mit Ameis alles Ernſtes zu proteſtiren. Von Aſchylos und

Sophokles ſind die geeigneten in beſondern Abdrücken leicht zu habenden Stücke

vollſtändig zu leſen, von Ariſtophanes die Wolken mit einigen Abkürzungen. Für die übrigen Autoren habe ich in einem in der Philologenverſammlung zu Bonn ge⸗ haltenen und in den dortigen Verhandlungen mit abgedrucktem Vortrage eine alle weſentliche und wichtige Bildungsmomente vereinigende Muſterſammlung in chrono⸗ logiſcher Ordnung der Leſeſtücke vorgeſchlagen, welche zugleich als Grundlage und Beiſpielſammlung für die daran zu knüpfende griechiſche Literaturgeſchichte dienen ſollte. Außerdem verweiſe ich auf meine Abhandlung über die Methodik der griechi⸗ ſchen und lateiniſchen Lectüre in 1 Bd. 4 H. der Berliner Gymnaſialzeitſchrift. Freilich verfalle ich mit dem Allem doch in dem Fehler, den ich rügen wollte, indem ich im Allgemeinen rede und nicht das ſpeciellſte Detail der Autoren durchprüfe. Doch dazu genügt nicht eine gelegentlich improviſirte Expectoration, dazu iſt ein eignes Werk erforderlich, deſſen Ausführung ich nunmehr jüngeren Kräften über⸗ laſſen muß. Es war mir hier nicht um Entſcheidung zu thun, ſondern es ſollte nur angedeutet werden, wie wichtig dieſe werden könne, um von erfolgloſen Be⸗ mühungen abzuhalten und den Stoß zu pariren, welcher der Centrifugalkraft der um das Gymnaſium gravitirenden Geiſter ein ungehöriges die Harmonie des Ganzen ſtörendes Uebergewicht über die Centripetalkraft verſchafft und an die Stelle der dynamiſchen Potenz die mechaniſche Zwangsfeſſel geſetzt hat.

Außer den bereits angeführten Berückſichtigungen, welche die beiden erſten als Gymnaſialprogramme ausgegebenen Hefte dieſer Beiträge zur Gymnaſialreform in unſerer neueſten pädagogiſchen Literatur gefunden haben, iſt das zweite Heft von Hn. Prof. Ameis in Mühlhauſen in der pädagogiſchen Revue December 1849 mit dankenswerther Anerkennung angezeigt worden. Das Citat aus Tacitus beruht jedoch auf einem Miſſverſtändniß, welches aufzuklären die ſeitdem völlig veränderten Zeit⸗ und Preſſverhältniſſe überflüſſig machen. Daß die turneriſche Ausbildung bei Verſetzung in höhere Claſſen mit in Betracht gezogen werden ſolle, iſt noch nicht zur geſetzlichen Vorſchrift erhoben, da die H. 2 S. 32 mitgetheilten Beſtimmungen nur als vorbereitend und verſuchsweiſe aufgeſtellt worden ſind. Es würde ſich aber inſofern rechtfertigen laſſen, als nach der von Herrn Spieß in origineller