Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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tönt. Daß er kein Mann iſt des wehmüthigen Gefühls, der ſanften Rührung, daß er urbane Manieren, äußere Eleganz, anmuthige Unterhaltung verſchmäht, das Alles gibt zwar ein würdiges Relief ſeinem ſittlichen Ernſte, aber es erzeugt auch eine trockne Verbitterung, welche der jugendlichen Befreundung widerſtrebt, während er ſeine Titanenkraft einem diplomatiſchen Schlaukopf und einer Schaar ſorgloſer Kechenäer gegenüber nicht bis zur Erhabenheit der tragiſchen Kataſtrophe, nicht bis zur Würde der furchtbaren Gratien zu ſteigern vermag. Wie Pindars lyriſcher Aufſchwung hinter Horazens Urbanität und Lebensklugheit zurücktritt, wie Juve⸗ nals ſatiriſcher Ingrimm von deſſen herzumſpielendem Humor überboten wird, ſo bleibt Demoſthenes hinter Cicero zurück, wo es ſich handelt um reine Humanität und natürliches Gefühl, um die Kunſt der ſanften Bewegung und des treffenden Witzes, um die Totalität des bildenden Eindrucks. Es hält der Jugend ſchwer, mitten zwiſchen dieſen öden Klippenſteigen einer ausgemergelten, oft in kleinlichen That⸗ ſachen vorſchreitenden Politik ein gemüthliches Plätzchen zu ſinden, um die Worte des Predigers in der Wüſte zu Herzen zu nehmen. Ich finde im Demoſthenes wenig auf unſere heutigen Verhältniſſe anwendbare Anregung zu oratoriſcher Nach⸗ eiferung, während die politiſchen Reden der alten Geſchichtſchreiber, die von Meyer geſammelten Fragmente der römiſchen Staatsredner, einigermaßen ſelbſt die ſpäteren griechiſchen Prunkredner eine Menge der geeignetſten Themata darbieten. Darum verſpreche ich mir wenig Erfolg von einer über das herkömmliche Maß ausgedehnten Lectüre des Demoſthenes. Nicht will ich hiermit einen Tadel ausſprechen über dieſe hochgefeierten Namen wahrer Heroen der Humanität, nicht ſie verwerfen und aus der Schule vertreiben, ſondern nur für den Zweck der letzteren ſie auf ihre wahren Bildungsmomente beſchränken. Daß dieſe nicht mit abſoluter Sicherheit in ſcharf trennenden Umriſſen ausgeſchieden werden können, liegt in der Natur der Sache, für welche die Empfänglichkeit durch wechſelnde Eindrücke, ſelbſt durch die Launen der Stimmung und des Zufalls bald geſteigert bald herabgeſtimmt wird. In einer Landſtadt iſt mehr Anſpruchloſigkeit und Andacht, als unter den Zerſtreuungen von Haupt⸗ und Reſidenzſtädten, in Pforta und Grimma iſt Manches ſachgemäß, was am Rhein zu den unmöglichen Dingen gehört, und wo militäriſch⸗mediciniſch⸗finan⸗ zielle und adminiſtrative Berufsbeſtimmungen vorwalten, wo ſelbſt die Reform der kirchlichen und gerichtlichen Praris in der Emancipation von allen Zuthaten der Gelehrſamkeit beſteht, da bilden ſich andere Gewohnheiten, als wo noch die höhere Bildung im Begriff des alten Gymnaſiums aufgeht. Zwanzigjährigen Jünglingen kann man andere Zumuthungen ſtellen, als ſiebzehnjährigen, und in einer und der⸗ ſelben Schule gelingt bei der einen Generation, was bei der andern miſſlingt. Noch durchgreifender ſind die Unterſchiede in Geſchmack, Neigung und Studium des Lehrers, dem überall am beſten von ſtatten geht, worin er ſelbſt vorzugsweiſe lebt und webt, was er wiſſenſchaftlich bearbeitet hat oder ſeiner Idee gemäß bearbeitet vorſindet. Auch die Fortſchritte kommen in Betracht, welche zu geeigneter Nach⸗ hülfe die Literatur der Schulausgaben durch Ameis, Geiſt, Haupt, Krüger, Sauppe 8

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