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Tugend bedecken die Blößen ihrer Nützlichkeitstheorie mit armſeligen Fetzen ſchwach⸗ ſinniger Moralpredigt und ſtehen allzu tief hinter den Schaaren der Schmiede, Schuſter, Gerber, Rinderhirten, Flötenſpieler und Laſteſel verſteckt, als daß ſie bil⸗ dend und veredelnd zum Herzen der Jugend durchdringen könnten. Xenophon iſt ein biederer und braver Mann und wäre auch der rechte Mann fuür griechiſche Haushaltung, Reitkunſt und Jagd, wenn wir die noch in den Schulen gebrauchen könnten; aber ein Idealbild des Cyrus, eine Reiſe in dem Orient, eine Geſchichte ſeiner Zeit, das ſind Aufgaben, bei deren Löſung er in den Troß derer herabſinkt, die Shakeſpeare als gute Leute und ſchlechte Muſikanten bezeichnet. Deſto heller ſtrahlt freilich Platons Genialität, aber Umfang und Inhalt ſeiner größeren Werke ſchafft manche Schwierigkeiten, die ſelbſt im Phädon hervortreten, wo ein aus Acheron, Styr und Pyriphlegethon gerinnendes Wirrſal abſtruſer Myſtik ungenießbar bleibt, nach einer andern Seite noch ſtärker in dem ſonſt ſo herrlichen Sympoſion. Freilich iſt es eine den Zeloten und Pedanten charakteriſirende Furcht, die ſelbſt durch die Bibel nicht bekehrt vor jedem zweideutig ſchlüpfrigem Ausdruck zurückſchreckt, zumal wenn er von dem ungezogenen Liebling der Gratien, nicht von der züchtigen Prie⸗ ſterin aus Mantinea kommt, aber ſelbſt die Entſchuldigung mit den Sitten und Verhältniſſen jener Zeit iſt nicht vermögend, den bildenden Eindruck des Ganzen gegen jene Empörung der heutigen Begriffe zu ſichern, welche hier durch die Pointe aller geiſtreichen Evolutionen, die Täuſchung des Alkibades und ihre als ordnungs⸗ mäßig angenommene Vorausſetzung erregt wird. Es muß doch arg ſein, wenn ſelbſt dieſer angetrunkene Sauſewind warnend ruft: die Ihr noch ungeweiht und unge⸗ bildet ſeid, leget recht ſtarke Schlöſſer vor eure Ohren! Hier ſind Auszüge und Abkürzungen nothwendig. Die kleineren Stücke aber, die man vollſtändig leſen kann, ſind meiſtens allzu unbedeutend, manche kaum des platoniſchen Namens wür⸗ dig, einige wahrſcheinlich unächt. Der große Aufwand an Zeit und Leben, an Arbeit und Geld, den der Zögling machen muß, um bis zur Lectüre des Platon vorzudringen, und der Verluſt, den er dadurch an andern dringenden Unterrichts⸗ gegenſtänden erleidet, wird nicht angemeſſen erſetzt, wenn ihm als Object jenes Ver⸗ ſtändniſſes z. B. die mattherzige Apologie geboten wird, bei welcher die forſchenden Blicke gerade der Sinnigen unter den Schülern den Lehrer zu fragen ſcheinen, ob denn das wirklich die weltgeſchichtliche Originalweisheit des Sokrates und Platon ſei, und ob er gleichfalls ſein Glaubensbekenntniß auf dieſe geſtellt habe. In zahl⸗ reichen Claſſen freilich kann der Lehrer hier erwünſchte Gelegenheit finden, ſich ſelbſt und ſeiner Kunſt etwas Schmeichelhaftes zu ſagen, wenn er nicht genöthigt wird, die von Sokrates mit zwei Worten an ſeine Richter ſo oft wiederholte Aufforderung praktiſch anzuwenden. Demoſthenes ſteht an Tiefe des Gemüths, ſittlicher Energie und unbeugſamer Conſequenz unendlich über Cicero's Wankelmuth und Eitelkeit erhaben, aber indem er herb und rauh das Grab gräbt, in welchem Griechenlands claſſiſche Herrlichkeit für immer eingeſorgt werden ſoll, läſſt er Töne vernehmen, deren ſchrillender Miſſlaut jede Lobpreiſung von Griechenlands ewiger Jugend über⸗


