Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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von disponibeln Gymnaſialcandidaten(es ſind dermalen 9 evangeliſche, 9 katholiſche, 14 Philologen, 4 Mathematiker) jener Verwendung hindernd im Wege ſteht.

Ueber einzelne Unterrichtsgegenſtände unterlaſſe ich für jetzt, dem Früheren Weiteres beizufügen; nur über die griechiſche Lectüre auf der oberſten Lehrſtufe mögen einige erläuternde Worte vergoͤnnt ſein. So erfreulich und wohlthuend die begeiſterte Anerkennung des helleniſchen Genius iſt, in welcher neuerdings wiederum Philologen mit Philanthropen und Realiſten gewetteifert haben, ſo möchte man doch wünſchen, ſtatt der zur Verherrlichung der Griechen ſtereotypirten Lobpreiſungen, die nur Eulen nach Athen tragen, poſitive Erfahrung und Belehrung über die betref⸗ fenden Einzelnheiten zu erhalten, zumal wenn man weiß, wie ſchon ſo viele ſelbſt mit congenialem Geiſt ergriffene und durchgeführte Unternehmungen für die Benutzung der griechiſchen Sprache und Literatur nicht den gehofften Erfolg gehabt haben. Ich erinnere nur an die Lectüre des Pindar und der griechiſchen Lyriker, an die für Schulen beſtimmten Sammlungen aus der griechiſchen Anthologie, an die Hellenika, an die griechiſchen Schreibübungen, an die vergebliche Bemühung, eine umfaſſende Kenntniß der griechiſchen Geſchichte, Philoſophie und Kunſt und ſomit eine Erfaſſung des helleniſchen Geiſtes aus der griechiſchen Lectüre zu ſchöpfen u. ſ. w. Selbſt in dem UÜrtheil über die Autoren, ſobald man über Homer und Herodot als unantaſtbar hinausgeht, iſt wenig Einſtimmung. Krüger in Braun⸗ ſchweig erklärt ſich gegen Thucydides, den mit Euripides auch die Berliner Conferenz verwirft, Köchly und Seyffert gegen Platon, Döderlein und Seyffert gegen De⸗ moſthenes als gar nicht für den Kreis der Schule paſſend. Dagegen verwirft Ameis in Mühlhauſen die Verwerfung von Autoren, wie Platon und Demoſthenes, und man wird ihm beiſtimmen müſſen, ſo lange ſie immer nur in Bauſch und Bogen und ohne Durchprüfung der einzelnen Schrift⸗ und Leſeſtücke geſchieht, welche dabei in Betracht kommen. Wollen wir erhalten und hervorheben, was die Vorzeit dar⸗ bietet, ſo wird uns dies nur gelingen, wenn wir die Gegenwart bedenken, uns nach Sinn und Forderung derſelben richten, dieſe aber heiſchen gebieteriſch, viele von den Autoren entwickelte Reflexionen nicht für wahre und edle den Werth der Alten charakteriſirende Muſiergedanken auszugeben, und dies gilt ſelbſt von ſolchen Partien, welche dem antiken Leben naturwüchſig, gleichwohl wie Opferſchau, Sclaventhum, Banauſie, Erwerbsthätigkeit, Knabenliebe u. ſ. w. einen übermäßigen Aufwand von Erklärung und Entſchuldigung nöthig machen, wobei Capital und Zinſen der Bildung verloren gehen. Wenn faſt jeder Autor von größerem Umfang einzelne für die Schule wünſchenswerthe Bruchſtücke enthält, ſo iſt doch auch faſt kein Autor außer Homer in allen ſeinen Beſtandtheilen für ſolchen Gebrauch geeig⸗ net, und ſelbſt kürzere pädagogiſch unbrauchbare Abſchnitte können großen Schaden ſtiften, weil ſie bei der Langſamkeit, mit welcher die Lectüre fortſchreitet, unverhält⸗ niſſmäßig viele Zeit koſten, oder, wenn ſie überſchlagen werden, die organiſche Einheit eines Ganzen vernichten. Wenn aber der genannte tief ſachkundige und hochgeehrte Kunſtrichter weiter glaubt, daß jene Verwerfung nur von ſolchen ausgehe, die ihr