Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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politiſch⸗militäriſch⸗mercantilen Einheit eines deutſchen Reiches und Volkes und haben dafür ein Interim, einen offenen Dreikönigsbund und einen geheimen ihn durch⸗ kreuzenden Vierkönigsbund und nebſt andern Surragaten ein Trümmerfeld von zerſchellten Discuſſionen und geſcheiterten Plänen mit der Denkſäule, welche den Namen von Schleswig⸗Holſtein als Inſchrift trägt. Wir bedürfen, um der Seg⸗ nungen des Chriſtenthums theilhaftig zu werden, einer chriſtlichen Kirche, und haben ſtatt derſelben einen Streit der Confeſſionen, welcher 200 Jahre nach dem dreißig⸗ jährigen Kriege die Nothwendigkeit herbeigeführt hat, an die Stelle des chriſtlichen den indifferenten Staat, an die Stelle der chriſtlichen die Civilehe, an die Stelle

der chriſtlichen Schule die ein Chriſtliches ausſchließende und abſtoßende, als irr⸗

thümlich und feindſelig es verwerfende Confeſſionsſchule, die für das Chriſtliche indifferente Communalſchule, die galeerenartig zuſammengeſchmiedete Simultanſchule, das confeſſionelle, das paritätiſche, das güterslohiſche Gymnaſium, die von der Kirche getrennte Univerſität zu ſetzen, die zwar keinen Teſteid auf 39 Artikel zu leiſten hat, deren zwiefache theologiſche Facultät aber mit ihrer Freiheit der Wiſſen⸗ ſchaft und der Lehre dennoch dreien Herren gehorchen ſoll, gar nicht zu gedenken jener zahlreichen Parteiungen, von denen die eine die Altliberalen, Conſtitutionellen, Conſiſtorialräthe und Philologen für Atheiſten erklärt, die andere ihre Freiheit dazu benutzt, den Teufel zum Schutzpatron und Emblem ihrer kirchlichen Bundſchuhfahne zu machen und auf ſeine Widerſacher mit Knüppeln drein zu ſchlagen. Das alles hat die Schule nicht aus eigner Willkür erfunden und geſtaltet, ſondern aus der Trübung der ſie umgebenden Lebensſphäre reflectirt. Eben deshalb iſt ſie aber auch trotz aller Reformen nicht im Stande, jene von ihr verlangte Wiedergeburt des ganzen Volkslebens aus dem Geiſte zu ſchaffen, welche Freiheit, Bildung und Wohlſtand in allen Kreiſen und Verhältniſſen des Lebens begründen, das innerlich gekräftigte Vaterland auch nach außen als ein einiges Deutſchland darſtellen ſoll, um es auf die Stufe emporzuheben, die es als das Herz Europa's einzunehmen berufen und berechtigt iſt. Niemals wird eine Erziehung zu dieſem Zweck gelingen, ſo lange die erziehenden Lebensmächte von demſelben ſich entfernend nach allen Rich⸗ tungen der Windroſe auseinander ſteuern. Nur dann wird ihr die Löſung dieſer Aufgabe möglich werden, wann Staat und Kirche ſich wiederum geeinigt und die⸗ jenigen Zuſtände beſeitigt haben, in deren atomiſtiſcher Zerſetzung und Zerfahrenheit nichts mehr haltbar iſt, als die allgemeine Haltloſigkeit, der Krieg Aller gegen Alle. Doch wenden wir uns hinweg von dem wüſten Schauſtück, was dermalen in dem gebrochenen Herzen von Europa zur Aufführung kommt, in welchem die einfachſten Wahrheiten keine Hoffnung haben, jemals zur Geltung zu gelangen, die edelſten Kräfte nutzlos für Staat und Kirche ſich verzehren. In dem entſprechenden Kreiſe unſeres Großherzogthums ſind glücklicher Weiſe niemals Fälle vorgekommen, in denen die Verpflichtung gegen den Staat genöthigt hätte, die gegen die Kirche, oder um⸗ gekehrt, hintanzuſetzen. Ohne jemals durch kirchenfeindlichen Sinn Veranlaſſung zu geben zu den Redensarten, welche heut zu Tage gegen niedere und höhere Schulen