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und die deutſche Schwärmerei mit römiſcher Nüchternheit und praktiſchem Sinn, er⸗ fülle die griechiſche Formenſchönheit und deutſche Geiſtestiefe mit rüſtiger römiſcher Thatkraft, man laſſe die griechiſche Sonne leuchten über Deutſchlands edle Söhne, und durch ſie breite ſich der griechiſche Himmel über deutſche Geiſter aus, und dem deutſchen Bürger ſchließe man die römiſche Sprache auf, um das Auge zu öffnen für das Licht. So wird das Gymnaſium und die höhere Bürgerſchule eins ſein und doch verſchieden.“ Man ſieht, was feine Redensarten eines geiſtreichen Man⸗ nes für Wunder thun. Sie räumen mit einem male alle ſeit Jahren ſorgfältig angelegten Gränzmarken hinweg, helfen über alle Schwierigkeiten hinaus und machen die Einheit zur Zweiheit und die Zweiheit zur Einheit, wie man's eben gebrauchen kann. Und dies iſt ein Reſultat, gegen welches wir unſrerſeits auch gar nichts einwenden, was wir vielmehr ſogleich benutzen wollen, um einen Streit zwiſchen Hannover und Schleswig⸗Holſtein zu ſchlichten. Die Lehrer des Königreichs Hannover nämlich haben die Idee des Geſammtgymnaſiums verworfen und ſich zu Gunſten des Princips der Trennung entſchieden, und zwar hauptſächlich mit um deswillen, weil die Kenntniß der griechiſchen Sprache(welche die dortige Regierung auf Theologen und Philologen beſchränkt hat) für alle Abiturienten, gleichviel welcher Facultät, unerlaſſlich, folglich fin realiſtiſcher Weg zum Univerſitätsſtudium nicht zu eröffnen ſei. In Schleswig- Holſtein dagegen erklären die Lehrer, die Unterſcheidung von Gymnaſien und Realſchulen ſei uͤberall nicht zu ſtatuiren, viel⸗ mehr die vollkommenſte Einheit beider Bildungsweiſen durch die Gymnaſien als höhere Nationalſchulen zu erſtreben. Selbſt die Benennung gelehrte Schulen müſſe zu dieſem Endzweck abgeſchafft werden.
Nachdem das Obige geſchrieben war, ſind dem Ref. die für einen gemeinſamen Unterbau mit obligatoriſchem Latein in Berlin entwickelten Gründe bekannt gewor⸗ den.*) Sie ſind etwa folgende: 1) weil dieſe Gemeinſchaft durch die äußeren Ver⸗ hältniſſe dringend empfohlen, 2) weil ſie dringend gefordert werde durch die Er⸗ kenntniß, daß beide Anſtalten in ihrer Sonderung nur Einſeitigkeiten ſeien, welche die für den Menſchen in Anſpruch zu nehmende Allgemeinbildung gar nicht zu gewähren im Stande wären, 3) weil im Intereſſe der Menſchenliebe wie der ſtaatlichen Eintracht alle gebildete Menſchen ſo lange als möglich derſelben allge⸗ meinen Grundlage der Bildung theilhaftig werden müſſten, um ſie nicht ſchon von früher Jugend an durch verſchiedene Grundvorſtellungen und Auffaſſungsweiſen zu zerklüften und zu Gegenſätzen zu zerreißen, 4) weil es im Intereſſe der Eltern liege, den Uebergang ihrer Söhne aus einer Richtung in die andere zu erleichtern, 5) weil für das Griechiſche immer noch 5 Jahre blieben, in denen bei der voran⸗ gehenden grammatiſchen Vorbildung ein ſchnelleres Fortſchreiten möglich werde. Dazu hat das preuß. Miniſterium erklärt, es werde an der Forderung des Lateins in dem
*) Die beſte Ueberſicht gewährt Krüger die Ergebniſſe der Lehrerconferenzen in Berlin, Hannover, Leipzig und Meißen in der Berliner Gymnaſ. Zeitſchrift, October 1849.
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