Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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dürfen wir dennoch ausſprechen, daß der greifbaren und für die Praxis in ganz Deutſchland geeigneten Reſultate nur ſehr wenige, und auch dieſe nicht unbeſtritten vorhanden ſind, und es möchte gerade hierin der triftigſte Beweis dafür liegen, daß der Gedanke in die Irre leiten würde, als könne in jedem kleineren, oft nur wenige höhere Schulen umfaſſenden Staatengebiete Deutſchlands durch eine berathende und beſchließende Commiſſion eine ſelbſtſtändige und Alles abſchließende Totalreform des höheren Schulweſens mit einem Schlage vollendet werden. Für die Volksſchulen, die in Aufgabe, Umfang und Leiſtung im Weſentlichen einander gleich und dabei in jeder Gemeinde unentbehrlich ſind, mag der gleiche Maßſtab der Generalviſitation anwendbar, unter Umſtänden eine Reformcommiſſion zweckmäßig ſein; Gymnaſien, Real⸗ und Gewerbſchulen hingegen ſind ſo verſchieden in Kräften, Mitteln und Leiſtungen, daß gemeinſame Normen oft keine locale Anwendung leiden. Für ſie iſt ein conſtituirender, alles Bisherige in Frage ſtellender Schullandtag, der keine locale und individuelle Geſtaltungen und Ausnahmszuſtände anerkennt, weniger werth, als die eigne Einſicht, die bauende und beſſernde Thatkraft der Lehrercollegien und die von der Schulbehörde nicht a priori conſtruirte, ſondern von den gegebenen Formen abſtrahirte Feſtſetzung des allgemein Gültigen. Uebrigens hat ſich in Ber⸗ lin die Ueberzeugung ausgeſprochen, daß auf dem ſchwankenden Boden unſerer politiſchen Verhältniſſe nicht die Grundlagen zu einem neuen Schulbau gelegt wer⸗ den können, daß ein allgemeines Schulgeſetz noch unthunlich, wenn nicht ganz un⸗ möglich ſei. Und in der That, wer ſeit einigen Jahren Schulſchriften und Schul⸗ berichte lieſ't, muß ſorgfältig ihre Zeit beachten, denn faſt mit jedem Monat ändert ſich ihr Ton, iſt eine andere Anſicht und Stimmung vorherrſchend. Mit bloßen Debatten und Majoritätsbeſchlüſſen iſt ſo wenig eine Schule zu machen, wie durch die Beſchlüſſe der Reichsverſammlung ein Reich gemacht werden konnte. Nur die Furcht iſt geblieben, wie die pädagogiſche Revue ſagt, daß man über dem Parla⸗ mentiren das Dociren, über der Luſt an der Debatte die Sache ſelbſt, über der parlamentariſchen Geſchicklichkeit die Lehrergeſchicklichkeit, über den Organiſations⸗ plänen die Schule und die Schüler aus den Augen verlieren dürfte. Nie wird es gelingen, von außen zu ſchaffen, was aus dem Innern wachſen und reifen muß,

und die beſte Reform wird immer diejenige bleiben, die von einer völligen Umge⸗ ſtaltung und einem Neubau auf demokratiſcher Baſis abſehend, vielmehr die Erhal⸗

tung des Beſtehenden, ja ſelbſt die Herſtellung des Beſtandenen im Weſentlichen fördert und für deſſen fortſchreitende Entwickelung bildend und beſſernd ſich bethä⸗ tigt, eben deshalb aber auch niemals zu vollendetem Abſchluß gebracht wird. Natürlich, denn die Schule iſt nicht ein a priori geſetztes und in ſich compact ab⸗

und Unehre für Land und Volk. Berl. Gymn. Zeitſchrift, October 1849, S. 880 ff. Sehr bedeutſam tritt hervor, daß ſelbſt Mützell, der eifrige Theilnehmer und feurige Lobredner der Berliner Strebungen, über ihre weſentlichſten Ergebniſſe den Stab gebrochen hat, ſ. die letzten Monatshefte jener Zeitſchrift von 1849.