den Region gar nichts entſcheiden, ſondern durch umfaſſende Vollſtändigkeit für jeden einzelnen Schüler beſtimmt ausgeprägte Reſultate liefern und deshalb eben ſo fleißige Vorarbeiten veranlaſſen als tiefere Nachwirkung zurücklaſſen. Aber freilich, ſollen ſie alle dieſe Vortheile gewähren, ſo gehören dazu vollſtändige in der Mitte nicht durchbrochene und zerſtückelte, in der Hauptſache von einem einzigen Lehrer durch⸗ geführte Jahrescurſe, eine die Prüfungen controlirende und dazu während derſelben von andern Geſchäften befreite Behörde, ein eignes für die Zwecke der Prüfung nach Lage, Form und Größe ganz geeignetes und mit beſtimmten Einrichtungen ausgeſtattetes Zimmer, endlich eine von der Geſammteinrichtung abhängige Mög⸗ lichkeit der Claſſenprüfung, ohne daß der gleichzeitige Unterricht in den übrigen Claſſen weſentlich darunter leidet, lauter Vorbedingungen, die an den meiſten Orten ſchwer zu beſchaffen ſein möchten.
Die dieſer Schrift geſteckte Aufgabe iſt darauf beſchränkt, den Entwickelungs⸗ gang des höheren Schulweſens in Deutſchland zu verfolgen, um das daraus her⸗ vorzuheben, was in unſern Verhältniſſen der Beachtung und Anwendung würdig erſcheinen könnte. Nichts aber möchte auf denſelben in der neueſten Zeit einen durchgreifenderen Einfluß geäußert haben, als die in Berlin ſtattgefundenen Be⸗ rathungen und Beſchlüſſe der dort verſammelt geweſenen Abgeordneten. An die zahlloſen Verſammlungen, Synoden, Deputationen und Commiſſionen, welche der Umſchwung der letzteren Jahre auf dieſem Gebiete hervorgerufen hat, reiht ſich hier eine von der Staatsregierung des größten deutſchen Staates berufene und dadurch allein ſchon aller tumultuariſchen Uebereilung enthobene und zugleich die würdigſten aus der Wahl der Collegen hervorgegangenen Vertreter der höheren Nationalbildung umfaſſende Verſammlung von Sachverſtändigen, deren Leiſtungen ſchon durch die angedeuteten Beziehungen und Umſtände die lebhafteſte Theilnahme der Mitſtreben⸗ den in ganz Deutſchland erregen muſſten. Die großen Erwartungen, die man von dieſer Verſammlung hegte, ſind auch keineswegs getäuſcht worden. Die neueſte Zeit hat nichts aufzuweiſen, was in Gediegenheit der Sachkenntniß, Gründlichkeit der Verhandlung, allſeitiger Erwägung und begeiſtert einträchtigem Streben nach dem gemeinſamen Ziele den Verhandlungen dieſer das geſammte höhere Schulweſen regelnden Amphiktyonen verglichen werden könnte. Es ſind Momente in ihnen vorhanden, die nur das erhebende Bewuſſtſein hervorrufen konnte, daß jeder der 31 Abgeordneten mehr als eine halbe Million ſeiner Mitbürger in den Intereſſen der höheren Nationalbildung zu vertreten hatte, und daß ihm dabei die tüchtigſten Capacitäten aus allen Theilen der Monarchie helfend und fördernd zur Seite ſtan⸗ den. Aber bei der höchſten Anerkennung deſſen, was dort vollbracht worden iſt,*)
*) Von andern Seiten haben die Beſchlüſſe der Berliner Conferenz ſcharfen Tadel erfahren. Gotthold namentlich will ſo laut als möglich ſeine Stimme gegen die dort feſtgeſetzte Einrichtung der Gymnaſien erheben, weil ſie der Anfang der Barbarei oder vielmehr ein großer Fortſchritt in der ſchon begonnenen ſei. Päd. Rev. Januar 1850, S. 93. Auch Schmidt in Stettin fürchtet von der Ausführung der Berliner Beſchlüſſe Verfall


