in dieſer Hinſicht und mit welchem Erfolg von dem Bürgerſtande für höhere und niedere Gewerbſchulen geleiſtet wird, welche letztere oft von gewerblichen Ausſchüſſen und Commiſſionen ausſchließlich geſtiftet und geleitet werden, es iſt bekannt, welcher Wetteifer dadurch unter den Lehrlingen und Schülern ſelbſt der unterſten Claſſen erweckt worden iſt, und wie hierdurch dieſe Anſtalten ſo vieles gewonnen haben, was durch bloß negative Straf⸗ und Repreſſivmaßregeln in der Handhabung von Schul⸗ und Studiengeſetzen nimmermehr hätte erzielt werden können. Wenn auch zunächſt Eifer und Trieb zum Lernen bei den Handwerkslehrlingen dadurch angeregt wird, daß der Unterricht in der nächſten Beziehung zum Lebensberufe ſteht und aus dem praktiſchen Bedürfniß ſich entwickelt, ſo iſt es doch hauptſächlich die Achtung und Theilnahme der Standesgenoſſen und das von ihnen an dieſen Bildungsſchulen bethätigte Intereſſe, welches die erfreulichen und mit Recht geprieſenen Leiſtungen jener Schulen zu Tage fördert. Welch mächtiger Antrieb für den Lehrling ſelbſt in dem entlegenſten Winkel des Landes, wenn er die Hoffnung hat, durch eine ziemlich gelungene Zeichnung oder ſonſtige Arbeit von den höchſten Meiſtern und Behörden der Kunſt in der Hauptſtadt beachtet, belobt, in öffentlicher Verſammlung als Sieger gekrönt, in amtlichen Schriften ausgezeichnet zu werden,*) und wenn die öffentliche Prüfung einer ſolchen Schule einem von wetteifernder Anerkennung und Theilnahme verherrlichten Volksfeſte gleicht. Die gelehrte Schule hat nichts, was ſich damit vergleichen ließe. Um die in einem früheren Programm vorgekom⸗ mene Aeußerung zu widerlegen, daß für ihre öffentliche Prüfung eine große Theil⸗ nahme nicht zu erwarten ſtehe, war vorige Oſtern eine beſondere Aufforderung an das hieſige Publieum in dem Darmſtädter Journal erlaſſen worden. Dieſe hat allerdings die Wirkung hervorgebracht, daß Morgens zwei, Nachmittags drei Gäſte, im Ganzen vier Perſonen erſchienen. Bei aller Anerkennung dieſes Erfolgs wird es aber doch unter ſolchen Umſtänden erlaubt ſein, die ſogenannten geheimen Prü⸗ fungen zu empfehlen, die, von dem unpaſſenden Ausdruck abgeſehen, der ein Verbot des Zutritts keineswegs enthalten darf und ſoll, ſich dadurch unterſcheiden, daß ſie in längerer Fortdauer eine gründliche und methodiſche Wiederholung des ganzen Lehrcurſus gewähren. Sie haben den weſentlichen Vorzug, daß ſie nicht dem blin⸗ den Zufall einiger Fragen preisgegeben ſind, die mit ihren unbeſtimmten nach allen Seiten gedrehten und ergänzten Antworten in einer über die Elemente hinausgehen⸗
licher Vortrag gehalten werden kann: de vestigiis divinae rerum humanarum gubernatio- nis in turbulentorum temporum motibus et conversionibus conspicuis. Daß ein angemeſ⸗ ſenes Publicum einer Einladung dazu noch Folge leiſtet, noch Erbauung und Erfriſchung zumal in ſolchem Momente darin findet, dies zu erklären, möchte ſelbſt die anerkannte Meiſterſchaft von Stallbaums Beredſamkeit, wie ſie in dem Abdruck jener Rede ſich wiederum kund gibt, für ſich allein nicht ausreichend ſein.
*) Vgl. Ueber das Bedürfniß und die Erforderniſſe eines ſachgemäßen Fortbildungsunterrichts für Handwerker mit beſonderer Rückſicht auf die im Großh. Heſſen beſtehenden Hand⸗ werkerſchulen Pon H. Rößler in deſſen Gewerbblatt für das Großh. Heſſen. Julius
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