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auszuſpielen pflegt und Alle deſſen Farbe zu bekennen zwingen möchte. Jedenfalls wird es für eine auf dem Wege des Fortſchritts liegende reine Frage der Praris kein Verluſt ſein, wenn wir hinſichtlich der gelehrten Schulen bei dem alten, aber da⸗ rum noch nicht abgelebten Princip der Humanitätsbildung ſtehen bleiben und daſſelbe allen Regeln der logiſchen Dichotomie zum Trotz in der vierfachen Bethätigung eines claſſiſchen, chriſtlichen, nationalen und beruflichen Elementes nachweiſen. Es handelt ſich hier um ein Inſtitut, deſſen Grundweſen nicht von dieſem oder jenem mißliebig gewordenen Regierungsſyſtem herrührt, ſondern im Laufe der Jahrhunderte durch die nationale Bildung und Sitte ziemlich gleichmäßig in den meiſten Staaten Deutſchlands zur Ausbildung gelangt iſt, und das auch in den letzten Decennien ſehr weſentlich verbeſſernde Umgeſtaltungen erhalten hat. Zwar kann es auf einen bloßen Wortſtreit hinauszulaufen ſcheinen, ob man dafür eine Totalreform, oder Reformen der Einzelnheiten begehrt, deren Summe ja eben das Ganze bildet; aber für die praktiſche Durchführung iſt beides doch nicht daſſelbe, weil die erſte Anſicht häufig um der zu hoffenden Generalreform willen alle Specialreformen verwirft und hier⸗ durch auch das Gute verhindert, was unverzüglich geſchehen kann und ſoll, und dann ein für allemal abzuſchließen vermeint, was doch einer ewigen Beſſerung fähig bleiben, ihrer in jeder Zeit bedürfen wird. Das Wichtigſte, der Geiſt, entwickelt ſich nicht aus der Form und Reform, ſondern die Form und Reform aus dem Geiſte, und die ſchönſte Form ohne den rechten Geiſt iſt ein blühender Sodomsapfel, der bei der Berührung in Moder und Aſche zerfällt, und die beſte Form des Schulweſens wird zur Unform werden, je mehr ſie darauf berechnet wird, für wenige Anſtalten eines kleinen Staates ſich zu einer den Entwicklungen des allgemeinen deutſchen Fortſchrittes ſchwer durchdringbaren Totalität abzuſchließen*).
Aber auch eine für die Praxis in der Form eines neuen Studienplanes ſche⸗ matiſirte Theorie möchte ich nicht empfehlen, nicht um der oft mißverſtändigen Rede über Studienfreiheit aus dem Wege zu gehen, ſondern weil die Erfahrung lehrt,
*) Allgemeine Schlagwörter, mit denen oft eine Generalreform verlangt wird, wie Verknech⸗ tung, Verkrüppelung u. ſ. w. ſind bloße Luftſtreiche, ſo lange die Nachweiſung der ſpeciellen Objecte ausbleibt, die von ihnen betroffen werden. Andererſeits fehlt es nicht an Specia⸗ litäten, die zu der allgemeinen Verfaſſung in keiner Beziehung ſtehen. Wenn z. B., wie dermalen in öffentlichen Blättern zu leſen iſt, eine Aenderung derſelben damit motivirt wird, daß an verſchiedenen Gymnaſien in Deutſchland hin und wieder X. der Aufgaben zu wenig, J. der Ohrfeigen zu viel ertheilt, Z. den Gymnaſiaſten alles Urtheil abgeſprochen habe u. ſ. w., ſo iſt das freilich der Klage und der Rüge werth. Aber eine ſolche Miſere entfernt man eben nicht durch Conſtitutionsentwürfe und Verfaſſungsdebatten, ſondern durch praktiſches Einwirken adminiſtrativer Leitung und Pflege. Sollte aber die Totalreform im Weſentlichen etwa nur darin beſtehen, daß die Behörden abgeſchafft, die Directoren degradirt, die ſou⸗ veräne Selbſtregierung der Schule proclamirt und ſomit eine mit der politiſchen Demokratie noch weit weniger, als mit der Monarchie vereinbare ſouveräne Scholarihir begründet werde, ſo würde ſchon die bloße Erwartung einer ſolchen nur dazu dienen, beſagten Auf⸗ gaben, Ohrfeigen und Urtheilen breitere Grundlage und feſteren Rückhalt zu gewähren.


