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des öffentlichen Lebens gegenüber der Verfaſſer ſich hier abzulegen gedrungen fühlt, nicht um Neues, Wichtiges und Entſcheidendes damit zu ſagen, ſondern damit das Geſagte nicht ungeſagt und unbeachtet geblieben zu ſein ſcheine. Er trägt kein Bedenken, daſſelbe in die einzige Theſe zuſammenzudrängen, daß es für unſer höheres Schulweſen nicht einer auf totalen Umſturz alles Beſtehenden gegründeten Radical⸗ reform, ſondern nur einer im Einzelnen den Bedürfniſſen der Zeit entſprechenden und manche allerdings ſchwere Mängel und Gebrechen beſeitigenden Nachhülfe und Umgeſtaltung bedürfe. Möge es der Gegenwart in allen Gebieten gelingen, den beſtandenen Formen der Dinge einen neubelebenden Geiſt einzuhauchen und ſelbſt aus dem Walten böſer Kräfte das Gute hervorgehen zu laſſen: ſie darf darum nicht ſich berechtigt wähnen, alle Schöpfungen der Vergangenheit zu vernichten, ohne ein entſchieden und allgemein anerkannt Beſſeres an ihre Stelle zu ſetzen. Die Gegenwart ſoll einer neuen Entwickelung Bahn brechen, ohne die Ergebniſſe der früheren zu vernichten: ſie muß darum vor jener Einſeitigkeit auf der Hut ſein, mit welcher bei eintretenden Veränderungen nur die dem Beſtehenden entgegengeſetzten Ideen und Grundſätze ſich hervordrängen, ſie muß ſich ſelbſt die Befugniß des rich⸗ terlichen Amtes vorbehalten, alles übermäßig Ungeſchickte angebrachtermaßen abzu⸗ weiſen; ſie kann in die unbedingte Verdammung aller Vergangenheit nicht ohne Selbſtverdammung einſtimmen. Wie in allen Sphären des Lebens, ſo iſt es auch hier die Thätigkeit eines bereits vorhandenen Organismus, die einer neuen Kräf⸗ tigung bedarf, aber am wenigſten darf man dabei vergeſſen, daß im Schulweſen Alles mit dem Fortgange der Zeit praktiſch, nicht ſyſtematiſch ſich ausgebildet hat, und daß es darum unthunlich iſt, in idealen Theorien und mit mathematiſcher Strenge durchgeführten Syſtemen, die heute geprieſen, morgen verworfen werden, den leiten⸗ den Faden der Ariadne zu ſuchen. In allen Dingen geht die Praxis der Theorie, die Sitte der Verfaſſung voran, Homer und Perikles waren eher, als Poetik und Rhetorik, der Staat eher, als das Compendium der Staatswiſſenſchaft, und wo nur die Theorie und Verfaſſung ſich entwickelt, überall iſt ſie darauf beſchränkt, zur Vervollkommnung des Beſtehenden das Ihrige beizutragen, nirgends darf ſie ſich erlauben, daſſelbe völlig umzuſtürzen und alle ſchaffende Thätigkeit für einen künftigen von Grund aus aufzuführenden Neubau zu verweiſen. Hätte die Moral nicht eher ſittlich belehren und beſſern wollen, bis ſie mit richtiger Conſequenz alle ihre Vorſchriften aus einem oberſten Sittengeſetz abzuleiten vermochte, wir wären darin noch nicht bis zur Entwerfung der zehn Gebote vorgeſchritten, und hätte die Chemie keine Analyſe gewagt, bevor ihr oberſtes Princip durch die Naturphiloſophie feſtgeſtellt war, ſo würde einen Flecken aus dem Zeug zu tilgen noch zu den un⸗ lösbaren Problemen gehören. Ohne darum den Werth von Theorien und Syſtemen zu verkennen, hüten wir uns gleichwohl vor theoretiſirenden Nebelgebilden und Schattengeſtalten, die das klare Licht den nur unter dem Einfluß äußerer Umſtände zu geſtaltenden Dingen entziehen, vor jenen in abgeblaſſte Sentenzen oder bloße Schlagwörter gefaſſten Principien, mit denen der Zeitgeiſt in Deutſchland Trumpf


