Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 1
Entstehung
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vor 600 Jahren ſtattgefundene Begründung eines geſonderten heſſiſchen Staates be⸗ ſtimmt. Die gegenwärtigen Zeitverhältniſſe haben jedoch weder den Druck jenes Werkes noch den dieſes Fragmentes geſtattet. Darum beſchränken wir uns auf pädagogiſch⸗didaktiſche Darſtellungen und Schulnachrichten, deren Abfaſſung in der Hauptſache immer ausſchließlich zur Verpflichtung des Directors gehören wird.

Ein zweiter Punkt iſt die Wiederherſtellung der öffentlichen Semeſtralprüfungen. Nach den früher gemachten Erfahrungen können wir einen großen Erfolg davon zwar nicht erwarten, wie es denn auch nicht an ſolchen fehlt, die ſie für ein eitles, von Paradelügen erfülltes Schaugepränge erklären. Gleichwohl möchte es der Mühe werth ſein, nach längerer Unterbrechung, und nachdem der Unterricht mehr dem Populären und Praktiſchen ſich zugewendet hat, einmal wieder einen Verſuch damit zu machen. Die erſte Claſſe kann füglich von dieſen Prüfungen ausgeſchloſſen blei⸗ ben, da für dieſelbe die Maturitätsprüfungen beſtehen.

Der öffentliche Redeactus verliert zwar für die Gegenwart inſofern an Intereſſe, als bei unbeſchränkter Redefreiheit in zahlloſen Verſammlungen mündliche Vorträge aller Art zur Tagesordnung gehören. Auf der andern Seite ſteigert ſich aus dem hier feſtzuhaltenden pädagogiſchen Geſichtspunkte ſeine Wichtigkeit dadurch, daß er ein Hauptmittel abgibt zur Ausbildung der nothwendiger gewordenen Kunſt des mündlichen Vortrags. Wie er ſelbſt in einem leider höchſt ungünſtigen Locale ſich immer noch einer beifälligen Theilnahme der Anweſenden erfreut hat, ſo erlauben wir uns, ihn auch ferner derſelben zu empfehlen.

Der Lectionenplan des Gymnaſiums hat, wie das überall ſo zu ſein pflegt, eine ſolche Stabilität erlangt, daß bedeutende Veränderungen in demſelben nur bei wechſelnden Perſönlichkeiten der Lehrer und bei neuen Organiſationen vorgenommen werden. Ob er gedruckt oder geſchrieben, für das Ganze oder für einzelne Claſſen ſchematiſirt wird, iſt darum gleichgültig. Doch kann es die Controle der Eltern erleichtern, wenn er gerade bei eintretenden Veränderungen dann und wann wieder gedruckt wird.

Die Durchführung dieſer Ideen iſt dermalen noch von finanziellen Rückſichten bedingt.

Bei der unermeſſlichen Menge von Anforderungen, welche in neueren Zeiten an die höheren Schulen geſtellt, bei der großen Mannichfaltigkeit divergirender Bewe⸗ gungen, welche von ihnen ſelbſt ausgegangen ſind, kann über ihre Ziele, Zwecke, Belange und Erfolge und die zu dieſen führenden Einrichtungen vollſtändig zu reden, nicht die Aufgabe dieſer mit wenigen Blättern auf das Nächſte beſchränkten Gele⸗ genheitsſchrift ſein. Darum iſt es nicht eine auf die tieferen Gründe der Dinge eingehende Beweisführung, ſondern nur ein ihre Reſultate in den augenblicklich be⸗ regten Punkten andeutendes Glaubensbekenntniß, welches der neueſten Geſtaltung