Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 1
Entstehung
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im Gymnaſialweſen iſt die Tagespreſſe(mit Ausſchluß der demſelben gewidmeten, aber bloß auf Lehrerkreiſe beſchränkten Zeitſchriften) am wenigſten im Stande, die⸗ ſem Uebel abzuhelfen. Sie hat in den verfloſſenen Jahren, obwohl in dieſem Fache von der Cenſur wenig genirt, doch meiſt nur Feſtbeſchreibungen, Correſpondenzar⸗ tikel über oberflächliche Aeußerlichkeiten, pikante Specialitäten, ſkandaliſirte Ent⸗ ſtellungen, nichtsſagende Machtſprüche geliefert, und auch jetzt hat ſie im Drang der politiſchen Geſtaltungen weder Raum noch Zeit und Neigung, die unnützen Schutthaufen der perſönlichen Verleumdung und Rechtfertigung abzuräumen und nach dem ächten Metall in die Tiefe zu graben und damit zugleich die Wurzeln wirklicher Uebel und Gebrechen zu durchſchneiden und dem Wachsthum der Früchte freieren Raum zu ſchaffen. Oft durchwühlt ſie nur den mit Vorurtheil und Miß⸗ trauen gedüngten Boden in einer Weiſe, daß jede Pflanzung auf ſeiner Oberfläche verkümmert. Tadel, ſelbſt herb und ins Blut einſchneidend, iſt achtbar, wo er etwas der Beſſerung Fähiges trifft, aber der Mann, der ihn ausſpricht, muß den Muth haben, ſich dazu zu bekennen und ſich perſönlich zu ſtellen, wo man perſön⸗ lich ſich darüber zu verſtändigen ihn einladet. Dem in dem feigen Verſteck der Ano⸗ nymität wegelagernden libelliſtiſchen Meuchelmörder und ſeinem würdigen Kumpan, dem Mordpropheten und Lügenfritz, der in der aufgetrübten Leumundlache friſche Fiſche fangen möchte, gebührt nur die Verachtung, die es verſchmäht, ſich von ſol⸗ chem Gelichter in die Schranken fordern zu laſſen. Iſt es überhaupt ein ſicheres Zeichen der Ueberlegenheit, bei manchen anſtößigen Reden der jugendlich ungeberdi⸗ gen Preßfreiheit die Widerlegung zu unterlaſſen und keinen Laut darüber von ſich zu geben, ſo muß dies vorzugsweiſe in den Angelegenheiten einer Gymnaſialanſtalt geſchehen aus collegialen Rückſichten und pädagogiſchen Gründen. Aber um ſo we⸗ niger kann ſie eines officiellen Organs entbehren, welches dazu dient, die in der jedesmaligen Zeitperiode hervortretenden Punkte der Beachtung in das rechte Licht zu ſtellen, irrthümlichen Anſichten entgegen zu wirken, Vorurtheile zu beſeitigen und die von der Tagespreſſe etwa berührten Einzelnheiten in ſachgemäßer und von per⸗ ſönlicher Polemik abgewandter Weiſe zu erläutern.

Hierauf gründet ſich der Wunſch, unſere Gymnaſialprogramme zu erneuern, ſo daß alljährlich einmal ein ſolches ausgegeben werde, aus einer wiſſeenſchaftlichen Abhandlung und aus Schulnachrichten beſtehend. Die erſtere iſt von ſämmtlichen ordentlichen Lehrern nach einem beſtimmten Turnus der Ausarbeitung zu liefern; doch wäre dem Wunſche derſelben, daß eine perſönliche Nöthigung dazu nicht ſtatt⸗ finde, um ſo eher nachzugeben, da im Falle des Mangels es nicht leicht an Erſatz fehlen möchte. Hinſichtlich des Inhalts wäre darauf zu ſehen, daß gelehrte philo⸗ logiſche Arbeiten in lateiniſcher Sprache, die der Faſſungskraft und dem Geſchmack eines gebildeten Publicums allzu fern liegen, möglichſt beſchränkt würden. Für das gegenwärtige Programm hatte der Unterzeichnete ein Fragment aus einer von ihm bearbeiteten Geſchichte des Großherzogthums Heſſen, eine Abhandlung über die Entſtehung der Ortſchaften und Ortsnamen in dieſem Staate zum Andenken an die