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willen ihn verbannen, alſo Salluſt's Catilina ohne Cicero's Catilinariſche Reden leſen, die Zeitgeſchichte ohne ſeine Briefe ſtudiren und manche in rein menſchlicher Beziehung lehrreiche und gemüthlich anſprechende Stellen ſeiner rhetoriſchen und philoſophiſchen Werke ungenutzt laſſen, dies würde eine Lücke erzeugen, die ſich durch nichts ausfüllen läſſt. Nur rechte Auswahl thut bei Cicero dringend Noth, und darin wird allerdings vielfältig gefehlt, weil weder Umfang und Inhalt ganzer Werke noch die fragmentariſche Zerriſſenheit bloßer Chreſtomathien dem jedesmaligen ſpeciellen Bedürfniß immer genau angepaſſt werden kann. Virgil ſteht als elaſſiſch und unübertroffen nur in dem Naturepos der Georgica da, welches zugleich unter den Händen eines naturwiſſenſchaftlich gebildeten Lehrers durch Combination ſcheinbar heterogener Sphären ein zwar von der Aeſthetik verſchmähtes, aber doch die Jugend bildſam ergreifendes ſtoffartiges Intereſſe gewinnt. Dennoch würde eine gelehrte Bildung, in welche nicht auch ein paar Bücher der Aeneide aufgenommen wären, eines weſentlichen Beſtandtheils entbehren. Horaz iſt kein Pindar und Klopſtock, aber ein Dichter, dem ſelbſt Gervinus zugeſteht, daß er Dichtung und Weisheit, Geiſt und Empfindung vermählt habe und darum unendlich reich an Beziehung und Widerhall in der neueren Literatur. Jede weltreformirende Sturm⸗ und Drang⸗ periode hat ihre Momente, in denen ſie, der eignen Schwungkraft vertrauend ſich darin gefällt, mit kecker Negation Allem, was da Geltung hatte, entgegenzutreten, und Horaz, oft mit Uebertreibung bewundert und geprieſen, mag vor Allem dazu reizen; aber es ſind eben nur Momente, die ſchnell vorüberrauſchen, wie die Völker⸗ frühlinge, die nicht über den 1. April hinauskommen. Von jenen Nebendingen, die ſchon Quintilian verwerflich fand, iſt hier nicht die Rede, auch nicht von dem Cha⸗ rakter des höſiſchen. Denn wer dieſes zum Stein des Anſtoßes macht, kennt ihn weder aus ſeinen Briefen noch aus Jacobs' Charakteriſtik und mag, da es doch in Cinem hingeht, ſo ziemlich die ganze Poeſie ſtreichen von Homer und Pindar bis auf die Minneſänger, bis auf Luther, Klopſtock und Göthe und nur etwa Hofmann von Fallersleben, Freiligrath und Herwegh noch als Dichter gelten laſſen. Mag die äſthetiſche Kritik den Horaz um ein Bedeutendes tiefer ſtellen, als er bisher ge⸗ ſtanden hat, wir wollen ihr die Befugniß dazu nicht abſtreiten, wie wir auch um⸗ gekehrt die Kritik des Bauern reſpectiren, der den in das Joch geſpannten Pegaſos ſchlechter als den ſchlechteſten Karrengaul ſindet. Sie erhält aber dadurch noch kein Recht, aus Geſichtspunkten der reinen Poeſie über das pädagogiſch und ſchulmäßig Zweckdienliche zu entſcheiden, eben ſo wenig, wie ihr die Befugniß zuſteht, aus den politiſchen und unpolitiſchen Liedern unſerer Zeit einen für den Miniſtertiſch beſtimmten politiſchen Geſetzcoder zu bilden und ſomit ihren Beruf zur Staatenlenkung zu be⸗ urkunden. Es verhält ſich mit Horaz im gelehrten Unterrichte wie mit Gellerts Fabeln im Volks⸗ und Elementarunterricht. Bekanntlich gehört es heut zu Tage zum hohen Tone in der Kritik, mit der äußerſten Verachtung auf Gellerts Fabeln und die Fabeldichtung überhaupt herabzuſehen, in ihnen keinen Funken von Poeſie, nichts als hausbackenen Philiſterverſtand zu finden und ihnen das Todesurtheil damit


