Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 2
Entstehung
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das G. gerade in das Waiſenhaus verlegt worden iſt, und doch muß dies noch als ein Glück angeſehen werden, da der dem Waiſeninſtitut hieraus entſpringende Verluſt aus Staatsmitteln gedeckt werden kann, während dieſe, unter der RubrikGymna⸗ ſien in dem Budget verrechnet, wohl als unerſchwinglich auf einem verlornen Poſten ſtehen würden..

Aller dieſer Uebelſtände unerachtet iſt es dem hieſigen G. gelungen, ſich manche hochachtende und dankbare Anerkennung zu ſichern. So ſagt ein einſichtiger und wohlwollender Mann in Nro. 280 der vorjährigen Darmſt. Zeit.:Gerade Darm⸗ ſtadt hat das Glück, ein G. zu beſitzen, welches ſtets den Anforderungen der Zeit Rechnung getragen, und an welchem dabei Sprachen und Kunſt des claſſiſchen Al⸗ terthums, für welche eine geiſtreiche Behandlung jeden nur halbwegs Empfänglichen zu gewinnen und zu begeiſtern weiß, Grundlage und Kern geblieben, eine Anſtalt,

Lehrzimmer hineindringend, daß im Sommer oft ein zuſammenhängendes Verſtändniß des Unterrichts unmöglich wird, 2) mangelndes Licht im Winter in einem nordwärts gelegenen Parterrezimmer, 3) Wagenſtallung mit Sckenerie und Volksliedern, 4) kellerartige Ver⸗ tiefung mit mäßigem Licht ſelbſt von der Südſeite(Salpeterincruſtation, Tannenpfoſten und Relieffußboden jetzt beſeitigt), 5) Sommerheizung durch glühende Dachziegeln, oft mit den Bleidächern von Venedig verglichen, 6) gefängnißartige Dumpfheit eines über⸗ füllten Parterrezimmers mit Ofenrauch ſtatt des Kamins, 7) Bodenſtructur zur Erzeugung kalter Füße und heißer Köpfe im Winter, im Sommer gegenüber eine hell getünchte, von der Sonne grell beleuchtete Fagade zur Beförderung der Augenſchwächung. Lehrzimmer für eine 8te Claſſe nicht vorhanden. Reſervelehrzimmer nach Lage und Größe unge⸗ nügend. Zeichnenſaal nicht vorhanden, ſondern mit einem jährlichen Aufwande von etwa 120 fl. am andern Ende der Stadt unterhalten, ſo daß die Zeit mit Hin⸗ und Herlaufen verloren geht. Für den Geſangunterricht ein heizbares und beleuchtbares Local mit ſtän⸗ digen Apparaten nicht vorhanden, darum im Winter unmöglich, tüchtige Leiſtungen zu erzielen, oder nur die Stunden in Ordnung zu erhalten. Daher die Unmöglichkeit, Zeichnen und Geſang als obligatoriſch zur Baſis der Kunſtbildung zu machen. Bibliothek ohne genügenden Raum für die Bücher, noch weniger für ihren Gebrauch an Ort und Stelle. Phyſikaliſches Cabinet nach Lage und Einrichtung ganz dazu geeignet, den Gebrauch der Inſtrumente zu erſchweren, zu gefährden, unmöglich zu machen. Conferenz⸗ und Archiv⸗ zimmer nicht vorhanden, für ein geordnetes Archiv kein Raum. Verſammlungsſaal mög⸗

lichſt ungünſtig geſtaltet, ohne Beleuchtung, hinſichtlich des angränzenden Lehrzimmers mit wechſelſeitiger, die Benutzung beider beeinträchtigenden Störung. Die Lehrzimmer meiſt durch dünne, ſtörendes Geräuſch durchlaſſende Scheidewände getrennt. Haus und Hof mit ſchmutzigen, dem Ueberblick ſich entziehenden Winkeln ausgeſtattet. Die Klage über Mangel an Raum in dem großen Gebäude wird man kaum begreiflich finden, wenn man nicht wahrgenommen hat, wie es durch ſeltene Kunſt hier dem Baumeiſter gelungen iſt, mittelſt übermäßig verringerter Tiefe des Mittel⸗ oder Hauptgebäudes die vorderen Zim⸗ mer deſſelben dunkel und ſtockig, nach der Hofſeite aber alle größeren Zimmeranlagen unmöglich zu machen und die Haupträume für Hausflur, Gänge, Winkel und Treppen zu verwenden. Wie ſehr es in einer ſolchen Localität erſchwert werde, nicht bloß Reſultate des Unterrichts zu erzielen, ſondern ſelbſt in der von äußeren Eindrücken abhängigen Jugend das Gefühl der Würdigkeit der ihr hier gebotenen Bildung zu rechter Lebendigkeit zu erheben und dadurch auf ihre vorherrſchenden Willensrichtungen einzuwirken, dies wird wohl Niemand bezweifeln, dem überhaupt ein menſchlich verſtändiges Ürtheil zuſteht.