Aufsatz 
Ist Maria Stuart des Gattenmordes schuldig?
Entstehung
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Eliſabeth in genau derfelben Weiſe zu begründen wie ihre ſchottilchen Vorbilder. Sie verſprach zwar Maria bei ihrem fürſtlichen Wort Wiederherſtellung, aber ſie erklärte anderwärts ganz offen, Murrays Herrſchaft in Schottland müfſe aufrecht erhalten werden, die von dieſem erhobenen Anklagen gedenke ſie ſo zu benutzen, daß doch immer der Verdacht des Verbrechens an Maria haften bliebe. Um dies zu bewerkſtelligen, berief Eliſabeth im Oktober und Dezember 1568 die Konferenzen von York und Weſtminſter. Dort follten Maria und Murray ihre Be- ſchwerden und Anklagen vorbringen, damit man beurteilen könne, auf weſſen Seite das Recht wäre. Auf der erſten Konferenz aber weigerte ſich Murray, der englilchen Kommijlſion ſeine Beweiſe vorzulegen, wenn ihm nicht vorher erklärt werde, daß dieſe auch genügten. Daraufhin ließen ſich die engliſchen Bevollmächtigten die angeblichen Beweiſe heimlich, hinter dem Rücken von Marias Vertretern vorlegen. Die Briefe, mit denen Murray Marias Schuld zu beweilſen fuchte, waren in ſchottiſcher Sprache geſchrieben und wurden unter eidlicher Verſicherung als Originale bezeichnet. Dasſelbe Schauſpiel wiederholte ſich in Weſtminſter. Murray legte auch hier ſeine Beweiſe erſt dann vor, als Cecil, der Staatsfekretär Eliſabeths, Marias Bevoll- mächtigte durch eine Liſt für eine Zeitlang entfernt hatte. Jetzt aber hatten ſich die Bothwell- briefe in höchſt ſeltfſamer Weiſe verändert. Die ſchottiſchen Originale von Vork hatten ſich mittlerweile in franzöliſch geſchriebene Originale verwandelt. Wenn ſolche Vorgänge bei dieſen ſogenannten Unterfuchungen pallieren konnten, braucht man nicht zu fragen, weshalb Eliſabeth und ihre Kommiſſäre ſich weigerten, der Königin Maria Abſchriften der Beweiſe, geſchweige denn die ſogenannten Originale zukommen zu laffen. Die verlangte perſönliche Verteidigung war ja ſogleich rundweg abgeſchlagen worden. Die Anklage aber, welche Maria gegen Murray und ſeine Parteigenoffen wegen Hochverrats und Königsmordes erhob, wurde trotz der matten Ver- teidigung des Regenten gar nicht in Betracht gezogen.

Als dieſe Scheinunterfuchungen vorüber waren, gab Eliſabeth den beiden Wächtern Marias, Scrope und Knollys, den Befehl, die Gefangene einzuſchüchtern und in Schrecken zu ſetzen, indem ſie Marias Sache als hoffnungslos hinſtellten, aber mit dem Bedeuten, Eliſabeth würde über alles den Mantel chriſtlicher Liebe decken. Dies follten ſie ganz unabhängig von einander ſagen und ſo, als äußerten ſie es zufällig und wie von ſelbſt. Zum Schluß aber befahl. Eliſabeth, der Schottenkönigin in derſelben Weiſe die eindringlichſten Vorſtellungen zu machen, dem Throne zu entlagen. Die beiden engliſchen Staatsmänner handelten genau nach dieſem Rezept, allein ſie begegneten einer ſtolzen und energiſchen Zurückweifung. Maria be- ſtand auf der Verfolgung Murrays und ſeiner Genollen und verlangte die Auslieferung der Be- weiſe. Nun griff Eliſabeth zum letzten Hülfsmittel, ſie drohte, wie ehemals die ſchottiſchen Lords, mit der Veröffentlichung der Schuldbeweiſe. Als auch jetzt Maria auf ihrem Recht beſtand, ſah ſich das engliſche Miniſterium zu der Erklärung genötigt, die von Murray vor- gelegten Schriftſtücke genügten nicht, um der Königin von England irgend welche üble Meinung über ihre gute Schweſter beibringen zu können.

Die Verſprechen Elifabeths wegen Wiederherſtellung Marias wiederholten ſich falt all- jährlich. Es wurden noch viele langwierige Verhandlungen darüber gepflogen; allein wenn die Gefangene nahe am Ziel ſchien, fand Eliſabeth einen Vorwand, die Sache zu verſchieben oder abzubrechen. Die Königin von England verfuchte jedes Mittel, ihre Gegnerin unſchädlich zu machen. Die ſchmutzige Pamphletlitteratur der Detectio war, wie ſchon bemerkt, ihr und ihres Miniſters Werk. Sie hegte die Hoffnung, die Gefangenſchaft würde Maria ein frühes Ende bereiten. Sie betrat ſchließlich den Weg des Meuchelmordes, indem ſie andere zu ver- anlaflen fuchte, ihre königliche Gefangene heimlich zu beſeitigen. Das einzige Mittel, welches ſie endlich von dieſer ihrer gefährlichſten Gegnerin befreite, war der politiſche Mord, der am 18. Februar 1587 Marias Leben zu Fotheringhay ein Ende machte.