Aufsatz 
Ist Maria Stuart des Gattenmordes schuldig?
Entstehung
Einzelbild herunterladen

klärten dieſe jetzt, ſie wollten den Mord beſtrafen und Maria aus der Gewalt des Grafen be- freien, ſo hatte dies natürlich den Anſchein, als ſei die Urfache der Nichtentdeckung und Straf- loſigkeit der Mörder in der Königin und nicht in ihnen zu fuchen. In diefem Vorgehen lag alſo eine direkte Anklage gegen Maria ſelbſt. Die Königin, welche die Mörder nicht hatte ent- decken können oder wollen, hatte den Mann geheiratet, gegen den ſich jetzt der Adel erhob, weil er im Land für den Mörder des Königs galt. Unter diefem Geſichtspunkt war dieſe Heirat ohne die Annahme eines früheren verbrecheriſchen Einverſtändniffes zwiſchen Maria uud Both- well kaum denkbar. Aber hätte Bothwell nicht ſelbſt die Heuchelei ſeiner ehemaligen Mord- genoſfen entlarven können? Sein Schweigen über diefen Punkt war durch die neuen Ver- hältniſſe geboten. Vor der Heirat war der Bond von Craigmillar, den er beſaß, eine furchtbare Waffe. Den Grafen von Bothwell hätten ſeine Mitſchuldigen auch nicht anzuklagen gewagt. Als Herzog von Orkney und Gatte Marias jedoch hing ſein gegenwärtiges und zukünftiges Heil von ſeinem Schweigen ab. Bothwell verwirkte ſeine Stellung für immer, wenn er durch Veröffentlichung des Geheimniffes von Craigmillar ſich ſelbſt als mitſchuldig bekannte. Seine Gegner hatten wohl darauf ihren Plan gebaut, als ſie mit beiſpielloſer Verräterei die ganze Blut- ſchuld auf den ehemaligen Mitverſchworenen allein zu wälzen fuchten.

Der Königin ſelbſt fiel es nicht ſchwer, die teufliſche Taktik und Verlogenheit der Em- pörer zu entlarven. In ihrer Gegenproklamation erklärte ſie, daß gerade die Lords ſich alle Mühe gegeben hätten, um die Schuldloſigkeit ihres gegenwärtigen Gemahls zu beweiſen; ſie ſelbſt hätten ihn vor Gericht und unter dem Beifall der Stände freigeſprochen. Ebenſo ſei die Heirat öffentlich und unter ihrer, der Empörer, ausdrücklicher Einwilligung abgeſchloffen worden. Diefe Proklamation verfehlte auch nicht ihre Wirkung. Viele Edelleute nahmen gegen die Aufrührer eine feindliche Haltung an, andere blieben neutral. Allein weder Bothwell noch Maria verſtanden es, ihre Vorteile auszunutzen. Statt den angeſagten Zuzug der Freunde abzuwarten, verließen ſie das feſte Dunbar. In der Nähe der Hauptſtadt ſtieß das kleine königliche Heer auf einen an Zahl weit überlegenen Gegner. Man mußte ſich auf Unterhandlungen einlaſſen, als das Zweckloſe einer Schlacht zu Tage trat. Dieſe Unterhandlungen endeten mit einer Kapitulation der Königin. Die Rebellen beteuerten, wenn ſich Maria von ihrem Gatten trenne, würden ſie ihr als gehorſame und treue Unterthanen auf den Knieen dienen. Unter den obwaltenden Umſtänden blieb die Annahme diefer Bedingung der einzige Ausweg. Maria nahm Ablſchied von Bothwell, den ſie hier zum letztenmal ſah, und begab ſich in das Lager der Rebellen. Dort empfing ſie Graf Morton, der feindliche Anführer, indem er ihr auf den Knieen huldigte. Madame», ſprach er im Namen der Lords, chier iſt der Platz, wo Eure Gnaden ſein ſollen, wir werden Euch ehren, dienen und gehorchen, wie es ſtets der Adel dieſes Reiches gegen Euere Vorfahren gethan hat.

Allein ſehr bald zeigten ſich dieſe gehorſamen Unterthanen von einer anderen Seite. Maria war aus einer Gefangenen des Grafen Bothwell eine Gefangene des Adels geworden. Ihre Befreier brachten ſie unter brutalen Mißhandlungen nach dem feſten Schloß Lochleven. Dort wurde ſie im Juli 1567 unter Androhung der Todesſtrafe gezwungen, die Regierung zu Gunſten ihres Söhnchens, des erſt dreizehn Monate alten Prinzen Jakob niederzulegen. Der eigent- liche Beherrſcher von Schottland aber wurde Graf Murray, der im Auguſt desfelben Jahres die Regentſchaft übernahm. Neben ihm ſpielten Maitland und Morton die Hauptrolle. Die Revo- lution des Sommers 1567 hatte ſo die Macht wieder in die Hand der Parteihäupter gebracht, welche die Revolution gegen Marias Mutter geleitet hatten, und welche ihre Herrſchaft bis zur Heirat der Königin mit Darley als proteſtantiſche Miniſter behauptet hatten. Die Wieder- herſtellung der Alleinherrſchaft diefer kalviniſtiſchen Adelshäupter und mit ihr die Sicherſtellung der Reformation war das Ziel aller Mordverſchwörungen und Aufſtände unter M. Stuart geweſen. Aus dieſem Grund war die kalviniſtiſche Geiſtlichkeit, obenan John Knox, ſtets die treueſte Bundesgenoffin des Adels. Der jetzt endlich gelungene Sturz des verhaßten katholiſchen Ober- hauptes entfeflelte den wildeſten zügelloſeſten Fanatismus. Der«Satan⸗ hatte ſeither die Verbreitung