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der Graf ſeine Anträge, allein er erfuhr neue Abweiſungen. Es kam zu ſtürmiſchen Auftritten. Bothwell zeigte den Bond und verlangte, ſie müfle den Wunſch und Willen des Landes er- füllen. Maria aber blieb hartnäckig, ſie hoffte auf Befreiung. Indellen das Land ſchien mit dem Entführer im Einverſtändnis zu ſein, alles blieb ruhig, felbſt die treueſten Anhänger der Krone rührten ſich nicht. In dieſer eigentümlichen Lage begann Maria, wie ſie ſelbſt erzühlt, die Sache zu überlegen. Sie ſah ein, daß ſie unter den vorliegenden Umſtänden doch wieder heiraten müfle wegen der Aufrechterhaltung des Staates. Sie wußte, daß ihr Volk einen fremden Gatten nicht dulden würde. Ihre wilden und unruhigen Unterthanen allein zu regieren, war eine Aufgabe, der ſie ſich nicht gewachſen fühlte. Ein tapferer, thatkräftiger Gatte ſchien die beſte Bürgſchaft, dem Land die fehlende Ruhe wiederzugeben. Aus dieſen Gründen gab ſie ſchließlich nach. Das Unerhörte ſchien gerechtfertigt durch die verlalfene Lage der Königin, durch den unruhigen Zuſtand des Landes und durch die ſchriftliche Forderung der Stände felbſt. Trotzdem aber war diefe Heirat ein politiſcher Fehltritt, unter dem das Anſehen und die Un- beſcholtenheit der Königin leiden mußten. Der Verdacht, der auf dem Gatten laſtete, mußte auch auf Maria übergehen, zumal da die Heirat mit Bothwell ſchon drei Monate nach der Er- mordung des Königs ſtattfand. Zur Entſchuldigung dielfes Schrittes aber muß betont werden, daß Marias Lage eine äußerſt ſchwierige war. Sie ſtand völlig allein dem verſchworenen Adel gegenüber. Es fehlte ihr jeder Rat. Sie mußte irre werden, da die Häupter beider Adels: parteien die Erfüllung desfelben Wunſches verlangten. Vielleicht aber hätte Maria auch anders gehandelt, wenn ſie noch im Vollbeſitz ihrer geiſtigen und körperlichen Kraft geweſen wäre. Die furchtbaren Schickſalsſchläge der letzten Zeit, ein ſchweres Wochenbett und Krankheit hatten ihre Widerſtandskraft gebrochen und ihren Geiſt gelähmt.
Gänzlich unvereinbar mit der Annahme eines Verbältniſles zu Bothwell ilt die Art, in welcher die Heirat mit dieſem letzteren zuſtande kam. Wollte die Königin den Grafen zu ihrem Gatten er- heben, dann hätte es der Adel nicht nötig gehabt, lich deshalb zu verſchwören und dieſen Schritt von Maria als eine unumgängliche Notwendigkeit» zu fordern. Die Entführung würe unter dieſem Geſichtspunkt ebenſo zwecklos als lücherlich geweſen, denn die Königin wußte ja bereits vor der- ſelben, daß ſie mit dieſer Heirat den Wunſch der Reichsſtände erfüllte. Höchſt bezeichnend iſt ferner die Art, in welcher ſich die angeblich ſo heiße Liebe beider äußerte. Die Königin war vor und nach der Heirat die Gefangene Bothwells. Niemand durfte mit ihr verkehren, ohne daß der Graf zugegen war. Er hegte wohl begründete Furcht, die Königin könne durch fremden Rat wieder anderen Sinnes werden und widerrufen. Die kurze Ehe mit Bothwell war nach den Berichten von Augenzeugen eine äußerſt unglückliche. Die Königin wurde fortgefetzt auf das ſchärffte bewacht. Bothwell ſchien einen Fluchtverfuch zu befürchten. Maria felbſt aber glich einer Verzweifelten. Man ſah ſie nur in Trauer und Thränen, und ſie dachte an Selbſtmord.
Graf Bothwell erfreute ſich nicht lange der neuen Machtſtellung. Der Sturz des alten Gegners war von Murray und ſeinen Vertrauten ſchon lüngſt beſchloffen. Die Heirat mit der Königin diente nur als Mittel zum Zweck. Noch ehe dieſe vollzogen war und faſt zu derſelben Zeit, wo man dieſe Verbindung als für den Staat unbedingt notwendig verlangte, trat Murrays Anhang zu einer neuen Verſchwörung zuſammen, um den noch loeben für die Königin verlangten Gatten zu ſtürzen. Die ganze Ruchloſigkeit der adligen Verſchwörer enthüllt ſich hier ebenſo klar wie die letzten Ziele, welche die Häupter der Kalviniſten von Anfang an im Auge hatten. Genau dieſelben, welche kurze Zeit vorher geſchworen hatten, Gut und Blut dahin zu geben, um Bothwells Heirat durchzuſetzen und zu verteidigen, traten jetzt zuſammen,«um die Königin zu befreien, die der Graf geraubt häütte und in Gefangenſchaft hielt». Um den neuen Auf. ſtand populär zu machen, verkündete man, das Unternehmen gelte auch der Beſtrafung und Verfolgung der Königsmörder. Wen anders konnte man damit meinen als Bothwell? Aber gerade dieſer Umſtand mußte Maria beſtimmen, für den Mann, der ſie ſo elend gemacht hatte, energiſch einzutreten. Die gegen ſie verſchworenen und ſchuldbedeckten Miniſter hatten ſeither im eigenen Intereffe jeden Schritt zur Entdeckung der Königsmörder zu vereiteln gewußt. Er-


